Beobachter: Die beiden Begriffe Anordnung und Mediation wollen nicht so recht zueinanderpassen: Anordnung steht für Zwang, Mediation für Vermittlung. Was ist unter einer «angeordneten Mediation» genau zu verstehen?
Renate Vogel: Eine solche kommt immer dann zustande, wenn Kon­flikte zwischen Eltern juristisch nicht lösbar sind. Es geht dabei immer um Kinderschutzmassnahmen. Und darum, die Eltern an ihre Verantwortung zu erinnern.

Beobachter: Was sind das für Fälle?
Vogel: Fast immer geht es um den Kontakt. Im Scheidungsurteil wird zwar verbindlich festgehalten, wie oft der ausgezogene Elternteil seine Kinder sehen soll. Die Einhaltung der Besuchsrechte ist jedoch juristisch sehr schwierig durchzusetzen.

Beobachter: Wie ist es möglich, jemanden zu Gesprächen zu zwingen?
Vogel: Die Kinder haben ein Grundrecht darauf, auch den nicht sorgeberechtigten Elternteil regelmässig zu sehen. Die ­Vormundschaftsbehörde kann Eltern darauf hinweisen, der Zwang bezieht sich nur auf die Kontaktaufnahme. Für die Gespräche müssen die Eltern freiwillig mit uns zusammenarbeiten.

Beobachter: Bringt es denn überhaupt etwas, zerstrittene Elternpaare zum Gespräch zu verknurren?
Vogel: Wir haben bisher 37 angeordnete Mediationen durchgeführt. Die Erfolgsquote liegt bei 60 bis 80 Prozent. Damit können wir recht zufrieden sein. Wir geben die Verantwortung für die Lösung an die Eltern ab, grenzen den Rahmen für die Themen in der Mediation aber eng ein. In Zusammenarbeit mit den Vormundschaftsbehörden finden Eltern so keinen Spielraum mehr, auszubrechen und sich nicht an Abmachungen zu halten. Schade ist es allerdings, wenn eine Mediation in einem relativ späten Stadium angeordnet wird. Bei Kontaktabbrüchen von mehreren Jahren kann auch Mediation wenig bewirken.

Beobachter: Wie läuft ein solches Mediationsgespräch konkret ab?
Vogel: Das Elternpaar kommt gemeinsam zu uns. Unser Job besteht darin, zwischen den Ex-Partnern zu vermitteln, das Gespräch zu strukturieren und notfalls einzugreifen, wenn die emotionalen Konflikte überhandnehmen. Die Mediatoren sind stets zu zweit, ein Mann, eine Frau, meistens jemand aus dem juristischen und jemand aus dem psychologischen Bereich.