Doch, Sie können. Viele Beispiele zeigen, dass man eine Trennung so verarbeiten kann, dass die Wunde schliesslich heilt. Unsere Seele ist dazu fähig, denn die meisten Menschen müssen irgendwann in ihrem Leben den Verlust eines Partners beklagen.

Ich plädiere allerdings nicht dafür, den Schmerz sofort zu verdrängen, sich abzulenken und so zu tun, als würde einem das Ganze nichts ausmachen. Der uralte Schlager «Liebeskummer lohnt sich nicht... Schade um die Tränen in der Nacht... Weil schon morgen dein Herz darüber lacht» gibt einen unpsychologischen und falschen Ratschlag.

Die Kränkung kann abgrundtiefen Hass auslösen
Liebeskummer lohnt sich durchaus, denn nur durch intensive Trauerarbeit kommt man aus der Krise heraus und wird wieder offen für neue Begegnungen. Liebeskummer besteht aus verschiedenen Komponenten: Die Zurückweisung durch den Partner, seine Abwendung oder Hinwendung zu einem andern kann als narzisstische Kränkung empfunden werden. Man ist in seinem Stolz getroffen, das Selbstbewusstsein gerät ins Wanken. Dies kann abgrundtiefen Hass auslösen. Vielleicht ist es auch der Verlust von Kontrolle über den andern, der wütend macht – oder man hat Angst vor dem Alleinsein.

Nicht selten wird das Zerbrechen einer Beziehung auch als persönliches Versagen gedeutet. Schliesslich ist es der Verlust der Gemeinsamkeit, des Geliebtwerdens, der echte Trauer auslöst. Durch alle diese Gefühle muss hindurch, wer einen Liebespartner verliert. Dass man oft enttäuscht ist, macht Sinn, wenn man das Wort genau anschaut. Man hat sich in der Beziehung oder im Partner getäuscht und wird nun ent-täuscht, dass heisst, die Täuschung hat sich aufgelöst, man sieht jetzt klar.

Zum Glück ist nur die eigene Welt an Illusionen und Erwartungen an die Beziehung zusammengebrochen. Die äussere Welt steht immer noch und ist voller Lebens- und Liebesmöglichkeiten.

Es wäre schade für die uns geschenkte Lebenszeit, wenn wir nach einer oder mehreren Enttäuschungen keine Beziehungen mehr wagen würden. Aber vielleicht sollte man den Ratschlag von Sigmund Freud beachten, «seine Libido (Liebeskraft) wie ein weiser Kaufmann zu verteilen». Wer seinen Beruf, sein Hobby, die Natur und seine Kollegen auch liebt, verliert durch das Ende einer Partnerschaft nicht alles. Vielleicht verhilft gerade Liebeskummer zu mehr Unabhängigkeit.

Wenn man gemerkt hat, dass einen der Verlust eines Partners oder einer Partnerin nicht umbringt, steht man in Zukunft solider auf eigenen Beinen und kann die nächste Zweisamkeit geniessen, ohne sich anklammern zu müssen oder in eine ungesunde Abhängigkeit zu geraten.

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