Als seine 92-jährige Tante im Altersheim Sunnsyta in Ringgenberg BE im Sterben lag, sah sich Viktor Amacher in seiner Trauer auch noch mit der fragwürdigen Amtsführung ihrer Beiständin konfrontiert: Es seien nur noch 3000 Franken des einstigen Vermögens von rund 50000 Franken vorhanden. Für ein Begräbnis in der Nachbargemeinde Gsteig, wie es die Tante als letzten Wunsch festhielt, reiche das Geld nicht, zumal auch noch offene Rechnungen zu begleichen seien. Die Bestattung in Gsteig koste 1200 Franken mehr als in Ringgenberg. Die Gemeinde übernehme die Differenz nicht.

Der Neffe fiel aus allen Wolken: «Das ist die heftigste Erniedrigung für diese tapfere und politisch engagierte Frau.» Nichts habe seine bescheidene Tante mehr gefürchtet, als fürsorgeabhängig zu werden, sagt der in Zürich tätige Psychotherapeut. Auf Anraten des Beobachter-Beraters forderte er die Vormundschaftsbehörde von Ringgenberg auf, ihm eine Aufstellung über die Vermögensverwaltung durch die freiwillige Beistandschaft seit Herbst 2001 vorzulegen. Der Berater wies ihn auf den gesetzlichen Freibetrag von 25000 Franken hin, der bei der Berechnung von Ergänzungsleistungen nicht angetastet werden darf.

Schliesslich erklärte sich die Gemeinde Ringgenberg «ausnahmsweise» bereit, den letzten Wunsch der Verstorbenen zu erfüllen. Auch wenn Viktor Amacher die Vermögensverwaltung als «zumindest fahrlässig» bezeichnet, sieht er von einer Klage ab: «Hauptsache, meiner Tante ist die verdiente Gerechtigkeit zuteil geworden.»