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Vätertag«Die Männer haben keine Lobby»

Am 17. Juni feiert der Vätertag Premiere. Er soll Lust aufs Vatersein machen und keine Kopie des Muttertags werden, erklärt Markus Theunert.

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Beobachter: Warum braucht es einen Vätertag?
Markus Theunert: Weil das väterliche Engagement zu wenig wertgeschätzt wird.

Beobachter: Ist das tatsächlich so?
Theunert: Ja. Die Öffentlichkeit ist beispielsweise zu wenig dafür sensibilisiert, dass auch Männer unter der Schwierigkeit leiden, Beruf und Familie miteinander zu vereinen. 80 bis 90 Prozent wünschten sich laut Umfragen flexiblere Arbeitszeiten.

Beobachter: Aber?
Theunert: Bloss zehn Prozent setzen ihren Wunsch effektiv um.

Beobachter: Die Männer selber könnten die Lage am ehesten verbessern. Sie besetzen die meisten Kaderpositionen und Politämter.
Theunert: Das stimmt. Doch auch der Chef hat in der Regel einen männlichen Vorgesetzten, und die Angst vor schrägen Blicken der Kollegen ist gross.

Beobachter: Wovor fürchten sie sich denn?
Theunert: Das Männerbild ist geprägt von starkem Leistungsdenken. Wer eine echte Work-Life-Balance anstrebt, befürchtet, das sei «unmännlich» und werde ihm als mangelnder Einsatz ausgelegt. Dabei müssten Firmen grösstes Interesse an einer familienfreundlichen Personalpolitik haben. Studien zufolge steigen dadurch Produktivität und Motivation des Einzelnen, gleichzeitig können Krankheiten und Absenzen verhindert werden.

Beobachter: Was verstehen Sie unter einer familienfreundlichen Personalpolitik?
Theunert: Der Arbeitgeber muss die Vereinbarkeit von Familie und Beruf glaubhaft unterstützen. Dazu gehören Lohngleichheit oder ein Vaterschaftsurlaub.

Beobachter: Was erwarten Sie von der Politik?
Theunert: Dass sie die Schranken beseitigt. Wenn beide Partner heute 50 Prozent arbeiten, haben sie eine schlechtere Vorsorge, als wenn der Mann 100 Prozent arbeitet und die Frau daheimbleibt. Damit bremst der Staat den gesellschaftlichen Wandel.

Beobachter: Werden Sie am Vätertag politische Forderungen proklamieren?
Theunert: Der 17. Juni soll kein Kampftag, sondern ein Feiertag werden. Männer sollen Lust aufs Vatersein bekommen. Gleichzeitig wollen wir die Öffentlichkeit für Männeranliegen sensibilisieren.

Beobachter: Andere Länder wie Holland kennen den Vätertag seit Jahren. Weshalb hat es in der Schweiz so lange gedauert?
Theunert: Männer nehmen sich nicht als Kollektiv mit gemeinsamen Interessen wahr und engagieren sich deshalb auch nicht gemeinsam für ihre Anliegen. Sie glauben immer noch, die «Norm» zu sein. Sie haben keine Lobby, weil sie nicht wahrhaben wollen, in welche Korsetts sie die alten Männlichkeitsideale zwängen.

Veröffentlicht am 21. Mai 2007