Vereine können unser Leben nachhaltig beeinflussen. Zum Beispiel der Einwohnerverein, der sich gegen die geplante Schnellstrasse zur Wehr setzt. Oder der von einem Verein geführte Bioladen um die Ecke. In der Schweiz gibt es rund 100000 Vereine. Fast jeder profitiert von ihnen, aber immer weniger Menschen stellen sich für eine Führungsfunktion zur Verfügung.

Für Bernd Helmig, Professor an der Universität Freiburg und Spezialist für Managementfragen von Non-Profit-Organisationen, sieht im Nachwuchsmangel der Vereine ein gesellschaftliches Phänomen: «In harten Zeiten schaut jeder für sich.» Wer von beruflichen und privaten Sorgen geplagt werde, habe keine Zeit und Lust für aufwändige ehrenamtliche Aufgaben.

Positive Wirkung auf den Beruf

Beim Appenzellerverein Bern hat auch die 89. Jahresversammlung ohne Präsident stattgefunden, gleich wie jene im Vorjahr. So bleibt Vizepräsident Rudi Signer nichts anderes übrig, als weiterhin den «Lückenbüsser» zu spielen.

Auch die SP Amriswil steht vor einer Belastungsprobe. An der nächsten Jahresversammlung tritt der Präsident zurück, weil er in den Gemeinderat gewählt worden ist. Nun wird ein Nachfolger gesucht. «Doch im Vorstand reisst sich niemand darum», sagt Vizepräsident Daniel Hebeisen.

Anzeige

Dabei stärke ein Ehrenamt die berufliche Stellung, ist Bernd Helmig überzeugt. «Hier lernt man zuhören, sich einfühlen und einbringen.» Ausserdem seien sich Personalchefs bewusst, dass ein Stellenbewerber mit einem Präsidentenamt gelernt habe, über den eigenen Tellerrand hinauszuschauen, und deshalb ein engagierter Mitarbeiter sein werde. Folglich müssten Anreize her, damit weiterhin Freiwilligenarbeit geleistet werde.

Ein solcher Anreiz ist zum Beispiel ein so genannter Sozialzeitausweis, von dem inzwischen 100000 Stück im Umlauf sind (siehe www.sozialzeitausweis.ch): In Form einer persönlichen Arbeitsmappe enthält der Sozialzeitausweis Dokumente, die bei einer Bewerbung oder bei einem beruflichen Wiedereinstieg als Referenzen vorgelegt werden können.

Kein Thema sind für Helmig dagegen Steuervergünstigungen: «Dann wäre es ja keine unbezahlte Arbeit mehr.»

Anzeige
Dieses Bild kann nicht angezeigt werden.