Das Evra-Pflaster benutze ich erst seit einem Monat, doch ich würde schon heute nicht mehr zurück zur Pille wechseln», sagt Christine Gysin, 34. Der grösste Vorteil sei, dass das Pflaster nur einmal pro Woche gewechselt werden müsse – denn die Pille habe sie oft vergessen einzunehmen. Befürchtungen, dass das Pflaster abfällt, hat die Triathletin keine: «Schon am ersten Tag bin ich joggen und schwimmen gegangen, obwohl man das nicht sollte. Das Pflaster hat gehalten.»

Der Hormonpatch Evra ist seit ein paar Wochen in der Schweiz erhältlich. In den USA ist das beigefarbene Pflaster der grosse Hit und avancierte hinter der Pille zum zweitbeliebtesten hormonellen Ver-hütungsmittel. Es funktioniert wie die Antibabypille, der Körper nimmt aber die Wirkstoffe über die Haut auf. Alle drei Wochen folgen sieben patchfreie Tage.






Methoden der Verhütung im Vergleich: Womit bei den verschiedenen Verhütungsmitteln zu rechnen ist (PDF, 300 KB).


Zur neuen Generation von Verhütungsmitteln, die jetzt auf den Markt kommen, gehört auch der Nuvaring. Der monatlich anzubringende elastische Vaginalring gibt nach der Einführung kontinuierlich Hormone ab. Nach drei Wochen wird der Ring entfernt. In der darauf folgenden Woche findet wie bei der Pille die Menstruation statt.

«Für Frauen, die die Pille regelmässig vergessen, sind diese neuen Verhütungsmethoden ideal», sagt die Frauenärztin Barbara Wanner. Dabei müsse man sich aber bewusst sein, dass die neuen Methoden dieselben Hormone enthalten wie die Pille und deshalb auch die Nebenwirkungen ähnlich seien. «Für ältere Raucherinnen zum Beispiel ist das Verhütungspatch Evra genauso wenig geeignet wie die Pille», so Barbara Wanner. Der Vorteil der Methode mit Patch oder Ring ist jedoch, dass die Hormone nicht vom Darm aufgenommen werden müssen und auch die Leber nicht belasten. So können die Hormone geringer dosiert werden.

Herz-Kreislauf-Störungen möglich


Künstlich zugeführtes Östrogen oder Gestagen ist nicht für jede Frau verträglich: Mögliche Nebenwirkungen der Hormone sind zum Beispiel Gewichtszunahme, Kopfschmerzen oder depressive Verstimmungen. Ausserdem besteht ein erhöhtes Risiko, an Durchblutungs- und Herz-Kreislauf-Störungen zu erkranken. Bestehen weitere Risikofaktoren wie Rauchen oder Bluthochdruck, wird von hormoneller Verhütung ganz abgeraten.

Um herauszufinden, welches Verhütungsmittel sich für welche Frau eignet, sei in jedem Fall eine gute Beratung wichtig, «denn die psychosoziale und kulturelle Situation der Frau muss unbedingt bei der Auswahl des Verhütungsmittels berücksichtigt werden», sagt Christa Spycher von Planes, der Stiftung für sexuelle und reproduktive Gesundheit. Jede Frau hat andere Bedürfnisse und reagiert unterschiedlich auf die verschiedenen Verhütungsmethoden. «Klar ist, dass während der Stillphase das Hormon Östrogen möglichst tief dosiert oder überhaupt nicht verabreicht werden sollte», so die ehemalige Leiterin der Familienplanung der Universitätsklinik in Bern. Hier eigne sich beispielsweise eine Mirena-Spirale, die Minipille oder die Dreimonatsspritze.

«Die betroffene Frau weiss am besten, was sie will – auch wenn es nach meiner Meinung nicht immer das Beste ist», sagt Therese Blöchlinger vom Frauenambulatorium in Zürich. So setzt die Gynäkologin auch einer jungen Frau die Spirale ein, wenn diese das wünscht. Blöchlinger geht es vor allem um Selbstvertrauen: Die Frau kenne ihren Körper und merke selber, welche Verhütung zu ihr passt.

Zurück zum guten alten Kondom


Gegen die Pille hat sich auch Tina Hofmann entschieden. Vor drei Jahren liess sie sich das Hormonstäbchen Implanon einsetzen. «Am Anfang war alles gut, ich hatte keine Monatsblutungen mehr und fühlte mich wohl», sagt die Zürcherin. Doch in den letzten Monaten habe sie wieder Blutungen gehabt und davor jeweils zwei Wochen lang ein Ziehen im Bauch.

Nun hat sie das Verhütungsstäbchen wieder entfernen lassen. Am liebsten möchte sich Tina Hofmann sterilisieren lassen. Doch bis heute hat sie keine Frauenärztin gefunden, die das macht. Der Entscheid sei für eine 31-Jährige noch zu früh, wurde ihr gesagt. Auch ihr Freund ist noch zu jung für die definitive Lösung. Alternative Verhütungsmethoden für den Mann gibt es keine, obwohl seit über 20 Jahren daran geforscht wird. Jetzt verhütet das Paar wieder mit Kondom.

Quelle: Archiv