16_00_rg_feuerbrand.jpgMeine Arbeitstage sind momentan sehr lang», sagt Urs Müller, der im Kanton Thurgau für die Bekämpfung des Feuerbrands zuständig ist. Der Feuerbrand beschäftigt in der warmen Jahreszeit Dutzende von Personen. Die gefährliche Bakterienkrankheit verursacht an Apfel-, Birn- und Quittenbäumen sowie einigen nah verwandten Zier- und Wildgehölzen grosse Schäden. Ein befallener Baum kann innerhalb einer Vegetationsperiode absterben.

Die Bakterien überwintern an den erkrankten Rindenteilen befallener Pflanzen. Mit steigenden Temperaturen vermehren sie sich schnell. Warme und feuchte Witterung während der Blütezeit lieben sie besonders. Bienen, Vögel, Menschen und der Wind verschleppen die Krankheit. In diesem Jahr haben sich die Bakterien ungewöhnlich stark verbreitet – besonders in der Ostschweiz.

Auf gar keinen Fall berühren

Feuerbrand lässt sich an folgenden Anzeichen erkennen:

Befallene Blüten und Blätter welken und verfärben sich dunkelbraun bis schwarz.


Klebrig-gelbe Schleimtröpfchen können austreten. Das ist ein sicheres Erkennungszeichen für den Feuerbrand.

Falls Sie bei Ihren Pflanzen Verdacht auf Feuerbrand schöpfen, sollten Sie folgende Anweisungen beachten:

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Die betroffene Pflanze darf keinesfalls berührt werden, denn die Gefahr der Verschleppung durch den Menschen ist sehr gross. Das Bakterium kann lang an Kleidern und Schuhwerk überleben.


Hände und Werkzeuge müssen desinfiziert werden.


Verdächtige Pflanzen sind sofort bei der Gemeinde oder bei den kantonalen Meldestellen anzugeben.

Einsatz von Antibiotika verboten

Nach der Meldung kommt geschultes Personal vorbei, um die befallenen Pflanzen zu begutachten. Bei nicht eindeutigen Fällen wird ein Muster an die Eidgenössische Forschungsanstalt für Obst, Wein und Gartenbau im zürcherischen Wädenswil zur Untersuchung ins Labor geschickt. Ist die Krankheit identifiziert, müssen die Pflanzen durch Fachpersonal gerodet werden. Eine Bekämpfung des Feuerbrands mit Antibiotika ist in der Schweiz bis jetzt nicht erlaubt. Die Thurgauer Regierung hat Mitte Juni beim Bund ein Begehren für den Einsatz eines Antibiotikums eingereicht. Eine Zulassung kommt allerdings nur in Frage, wenn eine Firma ein entsprechendes Produkt anmelden würde. «Die von der Firma eingereichten Unterlagen müssen die hinreichende Eignung dokumentieren und zeigen, dass keine wesentlichen Nebenwirkungen zu erwarten sind», erklärt Thomas Hasler, Leiter der Abteilung Pflanzenschutz der Eidgenössischen Forschungsanstalt in Wädenswil. Ob für den Einsatz des Antibiotikums grünes Licht gegeben werden kann, ist für das Bundesamt für Landwirtschaft bis auf weiteres noch unklar.

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Kosten trägt meist der Besitzer

«Der Obstbaumbesitzer muss mit etwa 150 Franken für den Verlust eines Baums rechnen», meint Beat Felder, Leiter der Fachstelle für Spezialkulturen im Kanton Luzern. In dieser Summe ist die Rodung, eine Neuanpflanzung und der Ertragsausfall während der Wachstumszeit eines Obstbaums enthalten. In besonders schwer betroffenen Gebieten, die der Bund zur Tilgungszone erklärt hat, werden die Kosten der Rodungsarbeit von der öffentlichen Hand übernommen; das sind je nach Grösse des Baums um die 50 Franken, beim Hochstammbaum etwa 100 Franken. Bund und Kantone kommen aber nicht für den Ernteverlust auf; auch gibt es keine entsprechenden Versicherungen. In der so genannten Befallszone, in der der Feuerbrand etwas weniger vorkommt als in der Tilgungszone, werden vom Bund keine Kosten übernommen. Je nach Region bezahlt allerdings der Kanton eine Summe an die Entsorgung der befallenen Bäume. Der Thurgauer Berater Urs Müller hat eine dringende Bitte an die Gartenbesitzer: keinen Cotoneaster mehr setzen. Diese Pflanze ist für das Feuerbrandbakterium ein ausgezeichneter Wirt.

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