7_00_bp_fisch.jpgEin grauer Fluss, am Ufer grosse tote Fische. Offene Mäuler, silbrig glänzende Haufen, massenhaft. Die Bilder von vergifteten Fischen in Rumänien und Ungarn gingen um die Welt. Am 30. Januar brach der Damm des Abwasserbeckens einer Goldmine, wenige Wochen später kam es zu einem ähnlichen Unfall ganz in der Nähe. Beide Male flossen riesige Mengen giftiger Schlämme ins Wasser. Ubrig blieb ein Fluss ohne Leben.

Bei solchen Katastrophen ist ein grosses Medienecho garantiert. Doch lokale kleine Fischsterben interessieren nicht. Als im letzten Herbst eine undichte Kanalleitung in Hochdorf LU ein Fischsterben auslöste, fand sich in der Regionalzeitung nur eine kurze Meldung. Und auch als der Dorfbach bei Allschwil BL im letzten Sommer durch Reinigungsmittel vergiftet wurde, war das dem Lokalblatt gerade mal einige Zeilen wert.

Fast jeden zweiten Tag ereignet sich irgendwo in unserem Land ein akutes Fischsterben. Das zeigt ein Bericht des Bundesamts für Umwelt, Wald und Landschaft (Buwal), der dem Beobachter vorliegt. Die Studie wird demnächst veröffentlicht.

Ammoniak als Fischkiller

Ordnet man die Fischsterben der letzten zehn Jahre nach Kantonen, so liegen Bern und Luzern an der Spitze (siehe Tabelle). Für Claudia Friedl vom Buwal ist das keine Uberraschung: «Diese beiden Kantone haben schweizweit den höchsten Viehbestand.» Entsprechend viel Gülle wird ausgeführt, und das Ammoniak in der Brühe ist für die meisten Fischsterben verantwortlich: Die Tiere ersticken regelrecht.

«Der Missbrauch beim Güllen macht uns Sorgen», sagt Peter Friedli, Fischereiinspektor des Kantons Bern. Für ihn steht fest, dass sich viele Unfälle vermeiden liessen. Aber noch immer gebe es Landwirte, die im Winter Gülle auf gefrorenen Boden ausbringen obgleich dies verboten ist. Denn die Brühe fliesst dann direkt in den nächsten Bach. Aber nicht nur die Gülle ist Gift für die Fische. Auch beim Einsatz von Pestiziden können die Landwirte ein Fischsterben auslösen.

Schärfere Strafen für Sünder

Friedli setzt auf Information der landwirtschaftlichen Schulen und Beratungsstellen. Viel anderes bleibt ihm auch nicht übrig, denn bisher hatten die Strafen kaum abschreckende Wirkung: Wurde ein Bauer erwischt, so gabs maximal einige hundert Franken Busse. Das soll sich jetzt ändern. «Künftig wird es dazu kommen, dass den Verursachern die Direktzahlungen gekürzt oder gestrichen werden», sagt Friedli.

Anzeige

Doch nicht nur Landwirte gehören zu den Umweltsündern, mitschuldig sind auch Industrie und Gewerbe: Abwässer, Öl, Teer und giftige Lösungsmittel machen den Fischen immer wieder den Garaus. Dazu kommt unsachgemässes Hantieren auf Baustellen etwa beim Reinigen von Zementmaschinen. Aber auch Industrie- und Gewerbebetriebe müssen heute nur mit einer kleinen Busse rechnen, wenn sie einen Unfall verursachen.

Zudem werden längst nicht alle Ubeltäter erwischt, denn die Beweisführung bei Umweltverstössen ist eine heikle Angelegenheit. Bei einem von fünf Unfällen bleibt die Ursache der Fischvergiftung im Dunkeln. «Auch wenn wir viele Anhaltspunkte haben, wer einen Unfall verursacht haben könnte die Angeschuldigten bekämpfen die Schadensforderungen häufig vor Gericht», bedauert Max Straub, Zürcher Fischerei- und Jagdverwalter.

Je rascher die Ursachen untersucht werden können, desto erfolgversprechender sei die Aufklärung, sagt Fischereiinspektor Peter Friedli. Doch da ist er auf die Bevölkerung angewiesen: «Wer irgendwo tote Fische im Wasser sieht, sollte dies so rasch wie möglich der Polizei melden.»

Dieses Bild kann nicht angezeigt werden.
Anzeige