Die Fondspolice ist ein Zwitter zwischen zwei verschiedenen Branchen. An die herkömmliche Sparpolice erinnert noch die Risikodeckung gegen die finanziellen Folgen von Tod und Invalidität: Stirbt die versicherte Person oder wird sie erwerbsunfähig, so erhält sie die vereinbarte Summe auf Franken und Rappen heraus. Hingegen gleicht der Sparteil einem Bankenprodukt. Die Ablaufleistung im Erlebensfall ist in der Regel nicht mehr garantiert, sondern ist allein vom Kurswert der Fondsanteile an der Börse abhängig.

Trotz dieser fehlenden Garantie gewinnt die Fondspolice bei den Kapital bildenden Versicherungen stark an Boden. Weil die Anleger mit einem erklecklichen Mehrertrag gegenüber der traditionellen Sparversicherung rechnen, nehmen sie das Kursrisiko in Kauf. Mit einer langen Laufzeit der Police tragen sie zudem der Börsenerfahrung Rechnung, dass das Risiko mit zunehmender Anlagedauer sinkt.

Viele dieser Abschlüsse werden freilich getätigt, ohne dass der Anleger zuvor den Markt unter die Lupe genommen hätte. Dabei drängt sich ein Vergleich der möglichen Anbieter gleich aus zwei Gründen auf. Erstens sind die von den einzelnen Lebensversicherern verrechneten Kosten alles andere als einheitlich, also muss zwischen den einzelnen Gesellschaften verglichen werden. Zum andern ist die Fondspolice durch den Verzicht auf die Erlebensfallgarantie jetzt der direkten Konkurrenz von Fondssparplänen der Banken ausgesetzt.

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Fondswahl will gut überlegt sein

In der freien Vorsorge haben die Lebensversicherer gegenüber ihren Konkurrenten den Vorteil der von der Einkommenssteuer befreiten Erträge, was bei einem Kostenvergleich zu berücksichtigen ist. In der gebundenen Vorsorge 3a verfügen hingegen alle Anbieter über gleich lange Spiesse. Ob der Anleger über die Versicherung oder die Bank spart: In beiden Fällen hat er einen gesetzlichen Anspruch auf die Steuererleichterung. Das macht über die Bank gekaufte Fonds zu einer überaus attraktiven Alternative, weil hier der Sparprozess gebührenfrei abläuft. Nicht so bei einer Lebensversicherung. Ein falscher Entscheid kann deshalb ins Geld gehen, wie das Beispiel von Beobachter-Leser Erik Dettling (Name geändert) zeigt.

Der 45-jährige Dettling hatte während 15 Jahren in der Säule 3a über ein gebundenes Vorsorgekonto bei einer Bank gespart. Weil die Zinsen in den letzten Jahren sukzessive zurückgegangen waren – im Durchschnitt der letzten fünf Jahre wurden je nach Bank nur gerade zwischen 3 und 3,5 Prozent geboten –, suchte er nach einer rentableren Anlage und wurde bei seinem Steuerberater fündig. Dieser schlug ihm als Alternative zum Bankkonto eine Fondspolice der Skandia Leben mit garantierter Todesfallsumme und Prämienbefreiung bei Erwerbsunfähigkeit vor. Im Verkaufsgespräch blieb freilich die alternative Möglichkeit eines Investments in Anlagefonds einer Bank unerwähnt.

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Der Beobachter, an den sich Erik Dettling vorsichtshalber wandte, hat dies nachgeholt. Ein direkter Vergleich der beiden Varianten hat zu einem erstaunlichen Resultat geführt: Würde Dettling während 20 Jahren jährlich 3000 Franken an die Skandia Leben überweisen, so wäre bei einer angenommenen Performance von fünf Prozent am 1. Januar 2021 eine Ablaufleistung von total 80557 Franken fällig, was eine Nettoverzinsung von 2,73 Prozent ergibt. Bei einem Kauf von Fonds über die Bank hingegen würde die volle Performance von fünf Prozent oder 103116 Franken (ein Prozent Ausgabekommission eingerechnet) fällig – das sind rund 23000 Franken mehr als bei der Versicherung. Es sei hier nochmals hervorgehoben: In der gebundenen Vorsorge arbeiten die Banken gebührenfrei.

Schlecht investiertes Geld

Fazit aus diesem Beispiel aus der Praxis: Weil in der Säule 3a beide Anbieter ihren Kunden denselben Steuervorteil bieten können, liegt die Performance der Fondspolice wegen der Kosten- und der Risikoprämie um Meilen zurück.

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Nun entfällt in der Offerte der Skandia rund die Hälfte der Kosten auf den Versicherungsschutz. Für diesen Teil der Prämie erhält der Kunde also einen Gegenwert. Wie viele Leute in seinem Alter ist Dettling aber über die Pensionskasse ausreichend versichert. Deshalb ist für ihn die Risikoprämie für die garantierte Todesfallsumme von 59578 Franken schlecht investiertes Geld. Leider gehört der Verkauf von unnötigen Risikodeckungen zum Versicherungsalltag. Die Branche ist eben an eine Auflage der Eidgenössischen Steuerverwaltung gebunden, wonach Policen in der Säule 3a einen minimalen Todesfallschutz enthalten müssen.

Besser angelegt wäre für Dettling hingegen das Geld für die Prämienbefreiung. Will heissen: Im Fall einer Invalidität würde die Skandia die Bezahlung der Jahresprämie übernehmen; das Sparziel wäre also garantiert. Dettling muss sich jetzt entscheiden, ob er dafür eine Ertragseinbusse von 23000 Franken in Kauf nehmen will. Ebenfalls zu bedenken gilt es, dass eine Police mit dem Erbschafts- und Konkursprivileg ausgestattet ist.

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Abschluss einer Risikopolice

Hätte Dettling einen wirklichen Bedarf an Risikoschutz – damit ist die finanzielle Absicherung von Tod und/oder Invalidität gemeint –, so könnte er diesen auch über eine separate Risikopolice abdecken, die keinen Sparteil einschliesst. Die entsprechende Prämie ist ebenfalls steuerbegünstigt, falls die Police in der gebundenen Vorsorge 3a abgeschlossen wird. Einer Kapital bildenden Versicherung hat die Risikopolice drei entscheidende Vorteile voraus. Erstens ermöglicht sie bei der Todesfallsumme eine massgeschneiderte, auf die effektiven Bedürfnisse des Versicherten abstellende Lösung. So kann ein Hausbesitzer zum Beispiel anstelle eines konstanten Kapitals die kostengünstigere Variante der abnehmenden Todesfallsumme wählen, wenn er seinen Hypothekarkredit periodisch abträgt.

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Zweitens ist der Sparteil jederzeit kostenfrei verfügbar. Der Anleger kann etwa bei einer unbefriedigenden Fondsperformance jederzeit gebührenfrei von einer Bank zur andern wechseln, bei der Versicherung hingegen führt eine Vertragsauflösung zu einem Rückkaufsabzug. Und schliesslich kann er bei einem finanziellen Engpass ohne weiteres seine Einlagen reduzieren oder gar abbrechen; bei einer Versicherung würden ebenfalls Rückkaufkosten anfallen.

Nicht rentabel für Anleger über 50

Sparer in ihrem fünften Lebensjahrzehnt sollten zudem bedenken, dass eine kurze Versicherungsdauer die Rendite einer Jahresprämien-Fondspolice wegen der Fixkosten zusätzlich drückt. Ein Abschluss würde deshalb für sie zu einem höchst unrentablen Geschäft. Trotzdem gehört die Kategorie der Anleger ab 50 für viele Agenten und Broker zum einträglichen Kundenstamm.

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Als erste Lebensversicherung ermöglicht die Helvetia Patria seit kurzem ihren Kunden, die Fonds über das gesetzliche Höchstalter 65 (Frauen: 62) hinaus weiterzuführen. Damit lassen sich die Abschlusskosten auf eine längere Periode verteilen.

Beim Kauf einer Fondspolice wird der Kunde vom Agenten unentgeltlich beraten. Für diesen Service müsse er eben eine Renditeeinbusse in Kauf nehmen, begründet die Branche die hohen Kosten. Überzeugend ist dieses Argument nicht. Obwohl heute jeder Agent als Allfinanz-Anbieter auftritt, bietet er in der Regel doch nur die Produkte der eigenen Gesellschaft an. Damit lassen sich die Anlagebedürfnisse eines Kunden aber nicht optimal befriedigen. Immerhin führen einige wenige Gesellschaften seit kurzem in der freien Vorsorge auch Fonds ohne Versicherungsschutz in ihrem Angebot – ein Anfang.

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Obwohl vieles für den reinen Anlagefonds spricht, floriert das Geschäft mit der Fondspolice. Solche Entscheide werden halt vielfach irrational getroffen, etwa wegen einer langjährigen Beziehung zu einer Gesellschaft. Das sollte einen Anleger freilich nicht davon abhalten, vor einem Abschluss auch noch einen Blick auf die Angebote der Versicherungskonkurrenz zu werfen. Denn die von den einzelnen Anbietern ihren Kunden verrechneten Kosten sind unterschiedlich hoch, zum Teil sogar massiv. Aufgelistet sind sämtliche 14 Gesellschaften mit einer Jahresprämienpolice. Deren sieben bieten auch ein Produkt in der gebundenen Vorsorge 3a an; sie sind mit einem Stern gekennzeichnet.

Man sieht auf den ersten Blick, dass zwischen dem günstigen Anbieter Rentenanstalt und der Zenith als teuerster Gesellschaft ein Unterschied von 0,66 Prozentpunkten besteht. Wenn also Erik Dettling beim Branchenleader abschliessen und jährlich die vereinbarten 3000 Franken überweisen würde, so hätte er nach 20 Jahren bei einer angenommenen Performance von fünf Prozent immerhin 6007 Franken mehr auf dem Konto.

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Im freien Sparen verfügen nur Versicherungspolicen über ein Steuerprivileg. Das heisst: Der Ertrag aus einer Police unterliegt nicht der Einkommenssteuer. Scheinbar verfügt die Branche hier über einen formidablen Konkurrenzvorteil, den sie im Verkaufsgespräch denn auch weidlich ausspielt. Welcher Anleger möchte dem Fiskus nicht gern die Zunge herausstrecken?

Aktienfonds: wenig Ersparnis

Bei genauerer Betrachtung aber ist es mit der effektiven Ersparnis gar nicht so weit her. Im Fall von Aktienfonds kann sie sogar ganz vernachlässigt werden, da hier die Performance in der Hauptsache ja aus Kursgewinnen besteht, die gar nicht steuerbar sind und deshalb auch keine namhaften Einsparungen erzielen können. So macht der Anteil der – steuerbaren – Dividende von Schweizer Aktien an der gesamten Performance von zehn Prozent nur gerade mal 1,5 Prozentpunkte aus.

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Bei einem derart geringen Spareffekt kommt natürlich den Kosten in einem Vergleich wieder mehr Gewicht zu, was am Beispiel der Offerte von Credit Suisse Life/«Winterthur» aufgezeigt sei. Von der Jahresprämie von 3000 Franken gehen jedes Jahr 636 Franken für die diversen Kosten drauf, 2364 Franken bleiben für die Fondsanlage übrig.

Wird der Sparteil in Schweizer Aktien investiert, so schauen für den Kunden bei einer Performance von 10 Prozent jährlich durchschnittlich 4027 Franken heraus; von der Performance von 10 Prozent unterliegen aber nur 1,5 Prozentpunkte oder rund 604 Franken der Einkommenssteuer. Bei einem angenommenen Grenzsteuersatz von 25 Prozent macht demnach die Steuerersparnis 151 Franken aus. Diesem Betrag stehen aber, wie gesagt, Kosten von 636 Franken gegenüber.

Die Steuerersparnis verdoppelt sich auf 322 Franken, wenn der Sparteil der Prämie in Schweizer-Franken-Obligationenfonds investiert wird, deren Performance fast gänzlich der Einkommenssteuer unterliegt. Dieser Betrag liegt jedoch immer noch weit unter den Kosten.

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Werden bei der Gegenüberstellung von Kosten zu Steuerersparnis die Risikokosten ausgeklammert, so verbessert sich das Verhältnis von Kosten zu Steuerersparnis. Im Vergleich mit Fonds ohne Versicherungsmantel bleibt die Fondspolice indessen chancenlos.

Zusätzliches Handikap: Der Fiskus verlangt die Einhaltung der Mindestlaufzeit von zehn Jahren. Das kann aus zwei Gründen zu einem Ärgernis werden. Erstens fällt auf dem gesamten Ertrag einschliesslich Kursgewinnen automatisch die Einkommenssteuer an, muss die Police aus Geldknappheit zurückgekauft werden. Zwar kann die Besteuerung durch einen Lombardkredit vermieden werden. Dieser wird aber von der Bank nur mit hohem Sicherheitsabzug gewährt. So beträgt der Belehnungswert bei Aktien- und Portfoliofonds nur gerade 60 Prozent des Kurswerts.

Zum andern bedeuten die Vorschriften der Steuerbehörden auch, dass der Anleger in einer Hausse nicht Kasse machen kann, sondern brav das Ende der Mindestlaufzeit abwarten muss. Das wird zum Nervenkitzel, wenn der Versicherer keinen Umtausch in Geldmarktfonds anbietet.

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Unterschiede bei den Leistungen

Fondspolicen können in der freien Vorsorge auch als Einmalprämie abgeschlossen werden; in diesem Fall leistet der Versicherungsnehmer die gesamte Prämie bei Versicherungsbeginn. Auch bei diesem Produkt tut der Anleger gut daran, die Leistungen von verschiedenen Anbietern miteinander zu vergleichen. Die Tabelle «Vergleich 3» zeigt deutlich, dass da einiges an Sparmöglichkeiten drinliegt.

So offeriert die «Winterthur» als teuerste Gesellschaft eine um rund 12800 Franken tiefere Ableistung als Profitline. Mit den beim Telefon-Direktvertrieb nicht anfallenden Abschlusskosten allein lässt sich diese hohe Diskrepanz kaum erklären.