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LanglebigkeitSüsses Alter dank dem scheuen Grottenolm

Süsses Alter dank dem scheuen Grottenolm
Bild: Stock-Kollektion colourbox.com

Im Jahr 2060 könnten 9 oder sogar 11,3 Millionen Menschen die Schweiz bewohnen. Höchste Zeit also, das Geheimnis gesunden Alterns zu erforschen.

von Martin Hicklin

Würde ich jetzt schreiben, dass uns unausweichlich bevorsteht, mit immer mehr anderen zusammen älter und älter zu werden, und – ultima latet: Die letzte Stunde ist verborgen, aber sie droht uns allen – wir am Ende doch todsicher sterben werden, die Leserinnen und Leser würden so was das Letzte finden. Man will sich nach der schönen Lektüre des Hefts doch nicht am Schluss noch auf den Keks gehen lassen. Das Gerede hängt einem ja so zum Hals heraus. Soll nur alle so weit bringen, schon jedes kleine Ziehen als Zeichen des Zerfalls zu deuten und etwas dagegen zu kaufen.

Vor der Realität erblassen Prognosen

Man kann ja den Prognosen der Volksstatistiker nicht wirklich trauen. Sobald die verheissene Zukunft zu Gegenwart wird, weichen die alten Voraussagen bleich der rotbäckigen Realität. Wie jüngst im Juli: In der Schweiz wohnen heute mehr Menschen als 2006 vorausgesagt. Dank den Schweizer Frauen zum Beispiel. Sie holten mit dem Gebären nach und auf. Zudem schwappt das übrige pralle Leben munter über die offenen Grenzen. Die Schweiz ist anziehender, als man dachte. Nichts also mit einem schnellen Ende des Wachstums. Neun Millionen Menschen sollen es 2060 sein. Wetten, dass viele unter uns das nachprüfen können? Dürfte es bei allem etwas mehr sein, stünden 2060 gar 11,3 Millionen in verdichteten Bauten einander auf den Füssen. Man darf gar nicht dran denken.

Eines aber ist allen Szenarien gemein: Die Zahl der über 65-Jährigen steigt und steigt. Absolut und im Verhältnis. Heute schon trifft es auf 100 Erwerbstätige um die 32 Köpfe der Generation 65 plus. 2060 könnten es mit 61 fast doppelt so viele sein. Klar, dass auch die Zahl der Longeviten, der Langlebigen, steigen wird.

Hungern und Höhlen bewohnen

Man müsse bald herausfinden, wie langes Leben zustande kommt, mahnen zehn Altersexperten in der Zeitschrift «Science Translational Medicine». Mit dabei Aubrey de Grey (47), der auch wegen seines langen Bartes berühmte «Altern ist ungesund»-Prediger. Das Alter als immer noch grösster Risikofaktor chronischer Krankheiten werde in der Forschung schmählich vernachlässigt. Wüsste man erst mal, warum die Drosselung der Kalorienzufuhr Tieren echt längeres Leben beschert, wiese das vielleicht den Weg zu Rezepten, die unser Alter versüssen. Vielleicht birgt gar der scheue Grottenolm den Schlüssel? Der Proteus anguinus ist eben ins grelle Licht wissenschaftlichen Interesses gerückt. Noch ist ein absolutes Rätsel, warum der Höhlenbewohner und wegen seiner Blassheit auch «Menschenfisch» genannte Salamander 100 und mehr Jahre alt wird.

Hungern und Höhlen bewohnen? Die Perspektiven sind noch nicht wirklich verlockend. Aber Zeit schafft Rat und vielleicht auch eine Pille mit der Essenz aus Hungerkur und Grottenolm. Echt ultimativ wär das. Stossen wir darauf an. Solange wir noch dürfen.

Veröffentlicht am 2010 M08 09