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UmweltorganisationenGood News vom Finanzchef

Good News vom Finanzchef
Investieren in die Natur: WWF-Aktion für den Panda (Paris, 2008) Bild: Website wwf.fr

Auch Natur- und Umweltorganisationen haben ihre Gelder an der Börse angelegt. Die Finanzkrise wird ihnen aber kaum viel anhaben können. Und auch wenn der Spendenfluss ins Stocken geraten sollte, droht keine Not, denn die Umweltschützer haben mit Reserven gut vorgesorgt.

von Claude Chatelain

Börsenturbulenzen hin, Wirtschaftskrise her: Den Umweltorganisationen in der Schweiz geht es finanziell gut. Einigen sogar sehr gut. Etwa dem WWF. Der hiesige Ableger des World Wide Fund for Nature kann es sich gar leisten, ein Aktienportefeuille zu bewirtschaften: Positionen, die im heutigen Marktumfeld nur mit Verlust verkauft werden können, langfristig jedoch unter Umständen schöne Renditen erzielen.

Langfristig handeln

Mitte 2008 wies der WWF Schweiz einen Wertschriftenbestand von 11,6 Millionen Franken aus. Davon sind 3,5 Millionen in Aktien angelegt. «Hilfs- und Umweltorganisationen sind wie Unternehmen verschiedenen Marktrisiken ausgesetzt», sagt Markus Schwingruber, der beim WWF um die Finanzen besorgt ist. «Wenn der Spendenmarkt in Turbulenzen gerät, dann braucht es Reserven.» So halte der WWF in seiner Reservepolitik fest, dass er für eine Betriebsdauer von neun bis zwölf Monaten in der Lage sein will, seine Tätigkeit weiterzuführen – notfalls ohne Einnahmen. «Dies vor allem deshalb, weil der WWF fast ausschliesslich mehrjährige Projekte unterstützt und es darum geht, deren Erfolg nicht durch Spendeneinbrüche zu gefährden.»

Auch Pro Natura sitzt auf einem komfortablen Reservekissen und kann einem allfälligen Einbruch im Fund-Raising gelassen entgegensehen. Doch im Unterschied zum WWF investiert Pro Natura fast 100 Prozent in Schweizer-Franken-Obligationen mit Staatsgarantie aus dem Inland. «Unser Ziel ist die Werterhaltung», sagt Finanzchefin Jacqueline Misslin, «wir suchen keine Börsengewinne.»

Der Verkehrs-Club der Schweiz (VCS) dagegen ist im Vergleich zu den typischen Naturverbänden und vor allem auch den karitativen Organisationen weit weniger von Spenden abhängig und bisher auch noch nie in den Genuss von Legaten gekommen. Daher braucht der VCS auch weniger Reserven anzuhäufen, um Einnahmenausfälle aufzufangen.

Wie Pro Natura führt auch der VCS Schweiz keine Aktien im Portefeuille, könnte aber laut Anlagereglement in solche investieren. Dazu fehlten bisher aber die Mittel. «Erst wenn das Eigenkapital deutlich über zwei Millionen Franken zu liegen kommt, können langfristige Anlagen getätigt werden», zitiert VCS-Direktor Peter Saxenhofer aus dem Anlagereglement. Bei den 1,5 Millionen Franken, die der VCS unter Wertschriften ausweist, handelt es sich ausschliesslich um Kassenobligationen.

Nur strategisch anlegen

Ganz anders sieht es bei Greenpeace aus. Von den Aktiven von 17,8 Millionen Franken sind 16,2 Millionen Franken in flüssigen Mitteln verfügbar, die auf einem Konto der Postfinance ruhen. Das sind 91 Prozent. Demgegenüber macht der Wertschriftenanteil nur gerade vier Prozent aus. «Wenn wir Aktien kaufen, dann nur aus strategischen Gründen», sagt Geschäftsführer Kaspar Schuler. Will heissen: Greenpeace Schweiz besitzt eine Handvoll Aktien von Firmen wie Novartis, Nestlé oder Roche, um an den Generalversammlungen ihre Aufwartung machen zu können. Im Weiteren kommt Greenpeace über Spenden und Legate zu Wertschriften, die dann je nach Marktsituation wieder verkauft werden.

Eine aktive Anlagepolitik wie etwa der WWF betreibt Greenpeace nicht. Als der Stiftungsrat letztmals über die Bücher ging und die Frage einer aktiven Anlagepolitik überprüfen liess, kam er zu einem negativen Entscheid. «Wir gehen Risiken in den Kampagnen ein und nicht bei den Finanzanlagen», sagt Schuler. Zurzeit werde in den Aufbau der Organisation in Afrika investiert: «Dort brennt es im Wald- und Klimaschutz.»

flüssige MittelWertschriften
andere***
WWF (47,8 Mio Fr.)*46,5%24,3%29,2%
Pro Natura (31,9 Mio Fr.)**
42%30%28%
VCS (14,1 Mio Fr.)**
78%11%11%
Greenpeace (17,8 Mio Fr.)**
91%5%4%

* per Mitte 2008

** per Ende 2007

*** (Forderungen, Liegenschaften, mobile Sachanlagen usw.)
Veröffentlicht am 2009 M01 29