«Fortuna, wo bleibt dein FCL-Herz?» Nach der Cup-Niederlage im Penaltyschiessen gegen die Zürcher Grasshoppers verstand der unbekannte Schreiber auf der Homepage des FC Luzern die Welt nicht mehr: «Der FC Luzern war die bessere Mannschaft und ist ausgeschieden.»

Dabei hätten die Innerschweizer einen weiteren Auftritt im Schweizer Cup dringend nötig gehabt. In der Klubkasse herrscht nämlich bedrohliche Ebbe. Nur mit Ach und Krach schaffte es FCL-Manager und -Trainer Raimondo Ponte im vergangenen Winter, den Konkurs zu verhindern. Er trieb zwei Millionen Franken auf und rettete den Klub so in die Nachlassstundung. Woher das Geld kam, bleibt das Geheimnis des ehemaligen Spitzenfussballers. Nur ein erlesener Kreis in der Chef-etage des FCL und die Luzerner Stadtregierung kennen die Investoren.

Kommt der Nachlassvertrag tatsächlich zustande, so ist dies nicht die erste wundersame Rettung des FC Luzern und sicher nicht die letzte eines Schweizer Fussballklubs. Mit Ausnahme von Basel und den Grasshoppers kämpfen die Nationalliga-A-Vereine ständig gegen den finanziellen Kollaps: In Basel hat die Roche-Erbin Gigi Oeri den FCB in den vergangenen Jahren mit geschätzten zehn Millionen Franken unterstützt. Und für den Zürcher Nobelklub decken die Wirtschaftsbosse Rainer E. Gut und Fritz Gerber Jahr für Jahr den zweistelligen Millionenverlust.

Zu kleiner Fussballmarkt

«Für eine richtige Vermarktung ist der Schweizer Fussballmarkt zu klein und zu heterogen», sagt Edmond Isoz, Direktor der Nationalliga. «Weil wir drei Sprachregionen haben, lohnt sich auch eine Berichterstattung nicht, wie sie private Fernsehanstalten in Deutschland betreiben.» Optimal wäre, so Isoz, wenn je ein Drittel der Erträge eines Nati-A-Klubs aus Zuschauereinnahmen, aus Fernsehrechten und aus dem Bereich Sponsoring, Marketing und Merchandising käme. Die Realität sieht aber anders aus: Zuschauereinnahmen machen nur etwa 20 Prozent aus, TV-Rechte bestenfalls fünf Prozent. Für den Rest sind die Vereine auf Sponsoren und Mäzene angewiesen: «Ohne die Sponsorenbeiträge dürfte das jährliche Defizit der A-Klubs zwischen 20 und 40 Millionen Franken liegen», schätzt Isoz.

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Wer Geld anlegen will, zu dessen Herkunft niemand allzu viele Fragen stellen soll, kann deshalb damit rechnen, bei helvetischen Fussballklubs nicht von vornherein auf verschlossene Türen zu stossen. Auf den Ehrentribünen in den Stadien sitzen denn auch immer wieder ausländische Investoren. Die Gründe für ihr plötzliches Interesse am Schweizer Fussball sind nicht in jedem Fall nachvollziehbar.

In Luzern etwa blätterte der venezolanische Geschäftsmann und Besitzer des FC Caracas, Guillermo Valentiner, im Herbst 2000 eine Million Franken hin. «Es war Liebe auf den ersten Blick», begründete der bis dahin in der Schweiz völlig unbekannte Sponsor in der «Neuen Luzerner Zeitung» sein Engagement. Und: «Ich will, dass sich Spieler aus Venezuela in der Schweiz zeigen können und umgekehrt.»

Spielern aus seiner Heimat eine Chance geben will nach eigenem Bekunden auch der kamerunische Bierbrauer Gilbert Kadji. Er hat vor drei Jahren den Fussballklub Sion übernommen und bisher mit dem kriselnden Verein fast nur Geld verloren. Zwar konnte Kadji für den Transfer des Ballkünstlers Hervé Tum zum FC Basel stolze 1,2 Millionen Franken einstreichen. Verkäufe von Spielern, Entlassungen und die Annullation eines Trainingslagers aus finanziellen Gründen deuten aber insgesamt auf einen miserablen Geschäftsgang hin.

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Viel Geld, nämlich rund 18 Millionen Franken, soll der polnische Arzneimittelhersteller Waldemar Kita zwischen 1998 und 2001 bei Lausanne-Sports investiert haben. Als er nach drei Jahren urplötzlich das Interesse an den Waadtländer Kickers verlor, herrschte auf der Pontaise das nack-te Finanzchaos: Bis heute weiss Trainer Umberto Barberis nicht, für welche Spieler Kita noch die lukrativen Transferrechte besitzt und welche dem Klub gehören.

Wenigstens in dieser Hinsicht sind die Verhältnisse beim FC Lugano klarer. Nachdem Klubpräsident Helios Jermini Mitte März tot aus dem Luganersee geborgen wurde, beschlagnahmte die Tessiner Staatsanwaltschaft sämtliche Spielerpässe, um Verkäufe zu verhindern. Zudem ermittelt Staatsanwalt Emanuele Stauffer im Umfeld des Vereins wegen dubioser Finanzgeschäfte. Klubpräsident Jermini herrschte über ein verwinkeltes System von Firmen, über die er unter anderem den FC Lugano finanzierte. Woher das Geld kam, ist weitgehend unklar.

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Lauter leere Versprechen

Schon 1999 war der FC Lugano im Gerede gewesen, damals wegen des italienischen Geschäftsmanns Pietro Belardelli. Dieser hatte mit 2,5 Millionen Franken unbekannter Herkunft die Aktienmehrheit der neu gegründeten AG übernommen. Als das Finanzloch beim FC Lugano immer grösser wurde, verschwand Belardelli und tauchte kurz darauf beim FC Aarau auf, wo er Investitionen von sieben Millionen Franken versprach. Weil er aber immer wieder leere Versprechen abgab und nicht bezahlte, brachen die Aarauer schliesslich den Kontakt zum Geschäftsmann ab.

Mit seinem undurchsichtigen Gehabe hatte Belardelli den Bogen offensichtlich überspannt. Andere Investoren hingegen werden mit offenen Armen empfangen. Mit dem Geld kommt aber auch das Risiko, in dunkle Machenschaften hineingezogen zu werden. «Für Geschäftsleute, die zum Beispiel Geld waschen wollen, sind solche Engagements äusserst attraktiv», sagt Mark van Thiel, der bei der eidgenössischen Meldestelle für Geldwäscherei gearbeitet hat. «Sie wissen, dass nicht allzu viele Fragen gestellt werden, solange das Geld fliesst.» Das Vorgehen ist einfach: «Man investiert einen bestimmten Betrag, bleibt dem Klub eine Weile treu und zieht dann das Geld wieder ab. Vielleicht macht man damit zwar einen Verlust, aber das Geld ist dann gewaschen.» Auch Spielertransfers eignen sich laut van Thiel für illegale Geschäfte: «Jeder Markt, bei dem nicht klar ist, wie die Preise gemacht werden, lässt sich zur Geldwäsche benutzen. Das ist beispielsweise auch im Kunst- oder im Edelsteinhandel so.»

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Zwar ist laut Bundesanwaltschaft in der Schweiz bisher kein Klub in Ermittlungen wegen Geldwäscherei verwickelt, aber die Gerüchte halten sich hartnäckig. So hartnäckig, dass jetzt selbst die Nati, die nicht gerade für einen kritischen Blick in die Klubkassen bekannt ist, die Sache an die Hand nehmen will. Mit dem Antrag für eine Spiellizenz für die kommende Saison sind die Klubs gehalten, eine Erklärung einzureichen, wonach sie die Bestimmungen des Geldwäschereigesetzes beachten. Ab der Saison 2003/2004 ist diese Erklärung zwingend vorgeschrieben.

Glaubt man jedoch Gianni Poncini, dem Präsidenten der Lizenzkommission, sind Hoffnungen auf transparentere Klubfinanzen verfrüht: «Wenn uns ein Klub sagt, die Gelder sind in Ordnung, dann werden wir nicht beim Investor nachfragen, ob das auch stimmt.»

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