Böse Überraschung für Hermann und Marianne Meier aus Horw LU: Mitte 2006 erhielt das Ehepaar eine Steuerrechnung über 156'000 Franken. Dies, weil der Ertrag aus ihrer Einmaleinlage bei der Helvetia-Versicherung als Einkommen besteuert wurde.

Zuerst glaubte Hermann Meier an einen Irrtum des Fiskus. Schliesslich hatte er 1994 die Einmaleinlage gerade deshalb abgeschlossen, weil ihm die Vorsorgepolice «Swiss Trend» vom Helvetia-Generalagenten ausdrücklich als steuerbefreit verkauft wurde. Die Unterlagen belegen es. Meier hatte einen grossen Teil seines Alterskapitals in diese Police investiert, die auf den Namen seiner Frau lief: eine Million Franken.

Doch im Sommer 1995 änderte ein Rundschreiben der Eidgenössischen Steuerverwaltung die Spielregeln: Seither gilt Steuerbefreiung unter anderem nur noch, wenn die versicherte Person bei Ablauf der Vorsorgepolice das Alter von 60 Jahren erreicht hat. Das traf auf Marianne Meier nicht zu. Die Helvetia unterliess es jedoch, Meiers über diese Änderung zu informieren. Im Gegenteil: Anfang 1995 hatte die Versicherung ausdrücklich geschrieben, Meiers Police sei «weiterhin eine steuerbegünstigte Lebensversicherung».

Für wie viele der rund 1000 Kunden des «Swiss Trend»-Produkts durch diese «Altersklausel» aus der steuerbefreiten eine steuerpflichtige Police wurde, will die Helvetia nicht sagen. Nur: «Es ist nicht auszuschliessen, dass diese Konstellation auch in anderen Fällen aufgetreten ist.» Die Helvetia ist sich keiner Schuld bewusst: «Ein Lebensversicherungsvertrag beinhaltet grundsätzlich keine Informations- oder Anpassungspflichten bezüglich Gesetzesänderungen.»

Es geht auch kundenfreundlicher

Mehrfach hat Meier mit der Helvetia korrespondiert sowie seinen Treuhänder und die Ombudsfrau der Privatversicherungen eingeschaltet - anderthalbjährige Bemühungen ohne jeden Erfolg. Dass es auch kundenfreundlicher geht, zeigt sich am Beispiel der Axa Winterthur: «Wir haben damals die Versicherungsnehmer über die Neuerungen informiert und im Anschluss auch zahlreiche Policen angepasst», sagt ein Axa-Sprecher.