Das Schreiben der Winterthur-Leben war kurz: «Da Ihre Police abgelaufen ist, werden keine weiteren Leistungen mehr fällig.» Dominik Kolly musste den Brief mehrmals lesen. Weil er ein schwerwiegendes Augenleiden hat und sich von der Winterthur hintergangen fühlte. 1971 hatte er dort eine Familien-Versicherung über rund 10'000 Franken abgeschlossen. Bei dauernder Erwerbsunfähigkeit hätte er die dreifache Summe erhalten.

1994 erlitt Dominik Kolly einen schweren Unfall, der ihn arbeitsunfähig machte. Unverzüglich orientierte er die Winterthur und stellte bei der IV einen Antrag auf eine Rente.

Kollys Familien-Versicherung endete 1997. Die Winterthur zahlte ihm jedoch nur die im Erlebensfall geschuldete Summe von 10'000 Franken aus. Kolly akzeptierte dies vorerst, da er von der IV noch keinen Entscheid über seinen Invaliditätsgrad hatte. Dieser, so hatte ihm die Winterthur geschrieben, sei Voraussetzung für eine höhere Auszahlung.

Die definitive IV-Verfügung erhielt Dominik Kolly erst letztes Jahr. Danach anerkennt ihn die IV seit 1995 zu 70 Prozent als invalid. Kolly wandte sich darauf an die Winterthur und forderte die vereinbarte dreifache Auszahlung.

Nach der forschen Absage der Winterthur suchte er Hilfe beim Beobachter. Dieser forderte die Versicherung auf, ihren Verpflichtungen nachzukommen. Mit Erfolg. Nach einigen Abklärungen war die Winterthur bereit, «das dreifache Kapital, nach Abzug der bereits erbrachten Leistungen zu gewähren.» Das sind rund 21'000 Franken.

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