«Mein Vertrauen in die AHV ist erschüttert», sagt Andrea Weibel. Bislang hatte die staatliche Altersvorsorge für die 46-jährige Bernerin etwas verkörpert, was die Schweiz ausmacht: Verlässlichkeit, Genauigkeit, das Bemühen um sozialen Ausgleich. Bis sich herausstellte, dass Weibel jahrelang zu viele AHV-Beiträge eingezahlt hatte. Und die AHV sie nicht zurückzahlen wollte.

Einsprachefrist abgelaufen

Andrea Weibel ist hauptberuflich angestellt und nebenbei freie Autorin. Verdient eine versicherte Person im Jahr weniger als 2300 Franken im Nebenamt, erhebt die AHV nur Beiträge, wenn die Person das ausdrücklich verlangt. So steht es in den Vorschriften. Doch die AHV stellte Weibel seit 2006 jährlich rund 450 Franken in Rechnung – ohne dass diese je darum gebeten hatte.

Kasse zeigt sich einsichtig

«Ich hatte nie Anlass, an den Verfügungen der AHV zu zweifeln», sagt Weibel, «zumal die AHV wusste, dass es sich um einen Nebenerwerb handelt und ich als Angestellte bereits AHV-Beiträge zahle. Die AHV ist doch keine dubiose Firma, bei der man vorsichtig sein muss, sondern eine wichtige staatliche Institu­tion!» Nachdem der Beobachter das Bundesamt für Sozial­versicherungen eingeschaltet hatte, gings plötzlich doch: Das Geld werde zurückerstattet; offenbar sei es anlässlich eines Telefonats zu Beginn von Weibels Teilselbständigkeit zu einem Missverständnis gekommen.

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