Mit 62 in Rente? Klingt verlockend. In der Tat scheint der Moment günstig für die AHV-Initiative der Gewerkschaften. Wenn der Staat Milliarden für die UBS hat, sollte doch auch eine Senkung des Rentenalters drinliegen, werden sich viele denken. Es wäre jedoch ein Schritt in die falsche Richtung, der wohl bald korrigiert werden müsste.

Die Linke bemüht die Gerechtigkeit: Dank der Initiative könnten sich auch - oft körperlich ausgelaugte - Bauleute oder Krankenschwestern eine frühere Rente leisten. Tatsächlich aber sollen rund 90 Prozent der Arbeitnehmer mit 62 bei voller AHV die Hände in den Schoss legen dürfen - bezahlt von den Jungen und jenen, die bis 65 weiterarbeiten. Was ist daran gerecht?

Ein Umlageverfahren wie die AHV, bei dem die Arbeitenden die Rentner finanzieren, lebt vom Vertrauen, dass die Solidarität nicht einseitig ist. Wenn aber abzusehen ist, dass die Jungen für immer mehr, zudem zunehmend begüterte Alte aufkommen müssen, stellt sich die Frage nach deren Beitrag. Eine nationale Erbschaftssteuer, wie sie auch der Beobachter mehrfach vorgeschlagen hat, könnte ein Weg sein. Doch ob diese politisch durchsetzbar ist, scheint fraglich. Was uns stattdessen erwartet, legen wir mit Zahlen und Argumenten in unserer Titelstory dar: länger arbeiten. Mit 62 in Rente? Schön wärs.

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