Beobachter: Beobachter: Die wenigsten Firmen nehmen die IV im Zusammenhang mit schwierigen Mitarbeitern als Problemlöserin wahr. Was machen Sie falsch?
Martin Kalbermatten: Das ist nicht unbedingt die Frage, ­sondern eher: Was können wir besser machen?

Beobachter: Wenn man der IV die Lösung von Problemen am Arbeitsplatz nicht zutraut, muss doch etwas falsch laufen.
Kalbermatten: Wenn ein Angestellter im Rollstuhl sitzt, nimmt man die IV sehr wohl als Problemlöserin wahr. Psychische Erkrankungen dagegen sind weniger einfach einzuordnen. Arbeitgeber schätzen die Probleme schwieriger Mitarbeiter häufig falsch ein – sie glauben, das lasse sich alles intern lösen oder renke sich von allein wieder ein.

Beobachter: Was also können Sie besser ­machen?
Kalbermatten: Wir müssen die Arbeitgeber besser für psychische Probleme sensibilisieren und sie über unsere Möglichkeiten zur Frühintervention und unsere Unterstützungsangebote aufklären. Das ist uns bislang noch nicht richtig gelungen. Es gibt einiges zu tun. Doch vieles ist aufgegleist.

Beobachter: Was denn?
Kalbermatten: Die IV hat Broschüren erarbeitet, zusammen mit der Informationsstelle AHV/IV, dem Bundesamt für Sozialversicherungen und dem Arbeitgeber- und dem Gewerbeverband. Zudem finden Informationsveranstaltungen und Arbeitgeberanlässe statt. Und schliesslich gehen die IV-Stellen Türklinken putzen: Sie besuchen Firmen, knüpfen Kontakte zu Personalverantwortlichen.

Beobachter: Die IV, die früher hauptsächlich verwaltete, muss plötzlich aktiv werden und auf Firmen zugehen. Kann sie das überhaupt?
Kalbermatten: Der Grundsatz «Eingliederung vor Rente» ist nicht neu, und schon mit der letzten IV-Revi­sion erhielten wir neue Instrumente, um etwa in der Früh­erkennung aktiver zu werden. Die IV ist also durchaus in der Lage, diese neue Aufgabe zu ­erfüllen. Natürlich ist das mit einem Kulturwandel verbunden, aber wir sind auf Kurs.

Beobachter: Chefs wünschen sich ­eine IV, bei der sie sich bei Problemen mit schwierigen Mitarbeitern unkompliziert melden können und unterstützt werden. Ist das realistisch?
Kalbermatten: Ja. Genau so soll es laufen. Es sind mehrere Projekte im Gang, mit denen wir herauszufinden versuchen, welches die optimale Vorgehensweise ist. Aber: Wir bleiben eine Versicherung. Alle innerbetrieblichen Probleme können wir nicht lösen.