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InvalidenversicherungGeizen wegen 84 Franken

Ein IV-Rentner will zurück ins Arbeitsleben – erhält aber keine Unterstützung für sein Busabonnement.

Ein IV-Bezüger will arbeiten – doch das Busabo wird ihm nur bezahlt, wenn er mehr verdienen würde.

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Rechtlich ist die Verfügung der ­IV-Stelle Zürich korrekt – kleinlich bleibt sie trotzdem. Denn die Invalidenversicherung (Ausgaben 2014: 9,2 Milliarden Franken) stellt darin klar, dass sie keinesfalls das ÖV-Abo übernimmt, mit dem ein hirnverletzter 61-Jähriger zur Arbeit in einer Behindertenwerkstätte fährt. Kosten: 84 Franken pro Monat.

«Eine Zumutung, nach allem, was wir durchgemacht haben», sagt Annemarie Zebo, die Frau des Betroffenen. Ihr Mann Mokobe ­Zebo, 1980 als Student aus Zentral­afrika in die Schweiz gekommen, erlitt 2012 eine Hirnblutung. Um den Lohnausfall aufzufangen, verkaufte die Frau das Auto, suchte sich einen zweiten Job. 2014 dann ein erneuter Schock: Mokobe Zebo erlitt einen Hirnschlag.

Monatslohn: 197 Franken

Die IV zahlt dem heute 61-Jährigen aus Rüti ZH seither eine volle Rente von 1800 Franken. Aber, sagt seine Frau: «Das Problem ist die Untätigkeit. Sie deprimiert ihn.» Sie bat die IV um Hilfe bei der Suche nach ­beruflicher Wiedereingliederung. Da sich diese dafür nicht zuständig fühlte, suchte die Ehefrau selber. Und wurde in einer Behindertenwerkstätte fündig.

Sie stellte daraufhin bei der IV einen Antrag auf Reisekosten­vergütung. Vergeblich. Denn: Bei Zebos Job geht es eher um Tagesstruktur als um Geld, er verdient pro Monat bloss 197 Franken. Die IV übernimmt Reisekosten aber nur bei «existenzsichernder Erwerbs­tätigkeit» mit einem Lohn ab 1763 Franken. Das heisst: Zebo verdient zu wenig, um unterstützungs­würdig zu sein. In ihrer Verfügung rät ihm die IV lapidar, sich «an die Pro Infirmis oder an eine andere Beratungsstelle zu wenden».

Bleibt Pro Infirmis als Hilfe

Pro Infirmis kennt solche Fälle; laut Sprecher Mark Zumbühl kommen sie immer mal wieder vor. «Wenn es keine andere Möglichkeit gibt, springen wir ein», sagt er. Für Annemarie Zebo bleibt trotzdem fragwürdig, dass nicht die IV diese Unterstützung leistet. Sie ist überzeugt: «IV-Bezüger bleiben gesünder und günstiger, wenn sie irgendwo eingebunden sind, statt bloss daheim zu sitzen.»

Veröffentlicht am 10. November 2015