Eigentlich ist Sofia glücklich. Endlich hat die Neunjährige ein Velo. Endlich muss sie beim Familienausflug nicht mehr mühsam mit Tram und Bus nachreisen. Endlich kann sie mit ihren Freundinnen trotz ihrer Behinderung losziehen. Sofia ist von Geburt an kleinwüchsig: Mit ihren kurzen Armen und Beinen kann sie kein Velo ab Stange fahren.

50 Stunden Handarbeit steckte ein Velomechaniker in eine Spezialanfertigung. 2500 Franken kostete das Unikat - ein grosser Budgetposten für Sofias allein erziehende Mutter Regula Mattmüller. Sie beantragte deshalb bei der Invalidenversicherung Zürich einen Beitrag an das Fahrrad. Die böse Überraschung kam postwendend: Velos seien auf der Liste der anerkannten Hilfsmittel nicht aufgeführt, folglich gebe es auch keinen Beitrag, wurde ihr beschieden. «Ich fühlte mich ungerecht behandelt. Es ist schon schwierig genug, ein Kind aufzuziehen, das aus der gesellschaftlichen Norm fällt», sagt Mattmüller.

Für ein Auto gäbs Geld
Wäre Sofia erwachsen und zum Arbeiten auf ein Auto angewiesen, gäbe es Geld von der IV. Das kann Regula Mattmüller nicht verstehen, denn dank dem Velo sei ihre Tochter besser integriert und mobiler. Doch Ursula Schneiter vom Bundesamt für Sozialversicherung widerspricht: «Die IV unterstützt die soziale Integration eines Kindes im Hinblick auf seine Ausbildung, nicht jedoch Spielgeräte.»

Erst vor kurzem geriet die Liste der Hilfsmittel in die Schlagzeilen: Jahrelang hatte die IV, ohne zu murren, massiv überhöhte Preise bezahlt. Allein für Hörgeräte zahlte sie bis zu 31 Prozent zu viel - ein schöner Batzen in die Kasse der Hersteller. An Sofias Fahrrad will sie sich nicht beteiligen - obwohl der Mechaniker pro Stunde nicht einmal 20 Franken verrechnete.