Er hatte lange gezögert, bevor er sich an den Beobachter wandte, Armin Z. (Name der Redaktion bekannt) ist kein Denunziant. Es geht ihm ums Prinzip. Armin Z. hatte Kinderlähmung. Ein Bein ist fünf Zentimeter kürzer als das andere. Seit über 20 Jahren geht der 73-Jährige zum selben spezialisierten Schuhmacher, der ihm seine Massschuhe fertigt. Jedes Jahr hat er zwei Paar neue Schuhe zugut. Nur wenige vom Bund anerkannte Schuhmachermeister dürfen auf Kosten der Invalidenversicherung abrechnen. Doch kürzlich kam Z. etwas «cheibe komisch» vor.
 
Sein Schuhmachermeister erinnerte ihn daran, dass er das Kontingent für 2008 noch nicht ausgeschöpft habe. Armin Z., Ex-Kadermann eines Verlags, kam die Sache krumm vor. Er brauche kein zweites Paar Schuhe. Ein Anruf bei der kantonalen IV-Stelle ergab: Sein Schuhmachermeister hatte die nicht bestellten und nicht bezogenen Schuhe der IV trotzdem in Rechnung gestellt: Fr. 3023.85. Armin Z. ist empört: «Er kann in Rechnung stellen, was er will – eine Kontrolle durch den Versicherten oder durch die IV erfolgt nicht.»

Tatsächlich: Eine Rechnungskopie, wie sie der Patient bei der Arztrechnung er­hält, ist «nicht vorgesehen», bestätigt Vinzenz Baur von der IV-Stelle Aargau. Nur weil Armin Z. nachfrag­te, kam die Sache ans Licht. Der Schuh­macher­meister musste das Geld zurückzahlen. Die IV-Stelle nimmt ihn in Schutz: Er habe «aus Versehen» die Schuhschablone von Armin Z. verwendet. «Als er den Fehler bemerkt hat, hat er die Schuhe Herrn Z. angeboten.»

Preise unter der Lupe

Neben der fehlenden Rechnungskon­trolle fallen auch die hohen Preise auf: 3000 Franken für ein Paar Massschuhe. Dazu kommen im Fall Armin Z. teure Reparaturen, einmal sogar für 2500 Franken in einem Jahr. Nun reagiert der Bund. Weil «die Hilfsmittel in der Schweiz tendenziell zu teuer sind», so Harald Sohns vom Bundesamt für Sozialversicherungen, werden nun auch die Tarife mit den Schuhmachermeistern «überprüft» – wie das bereits mit den Preisen für Hörgeräte, Rollstühle und Prothesen passiert. Letztes Jahr hat die IV 216 Millionen Franken für Hilfsmittel ausgegeben, davon knapp 20 Millionen für Spezialschuhe.