Nicht weniger als 42'000 Schweizer IV-Rentner leben im Ausland. Alle drei bis fünf Jahre sollten sie sich in der Schweiz zeigen. Die IV überprüft dann ihre Gesundheit und entscheidet, ob sie weiterhin eine Rente bezahlt.

Einer von ihnen ist Benno Schär (Name geändert), der unter Knie- und Augenbeschwerden leidet und seit 18 Jahren in Thailand lebt. «Ich finde es richtig, dass Renten überprüft werden. Die IV muss sparen, und es gibt ja auch Leute, die zu Unrecht Unterstützung beziehen», sagt der 49-Jährige. Als ihm im Sommer 2008 eine baldige Untersuchung in Bern angekündigt wurde, meldete er sich sofort bei der IV, weil er in Kürze ohnehin wieder für mehrere Wochen in die Schweiz kommen wollte. Schär verbringt jedes Jahr mehrere Monate in seinem Heimatland. «Während dieser Zeit könnte man mich ja auch untersuchen», sagte sich Schär.

Doch die IV zeigte kein Interesse. Man werde ihn schon aufbieten, wenn er an der Reihe sei, wurde Schär abgewimmelt. «Sollte ich dann wieder in Thailand sein, werde ich Euch aber den Flug in Rechnung stellen», entgegnete Schär – meinte das jedoch nicht ganz ernst. Die überraschende Antwort der IV: Der Flug werde sowieso bezahlt, ebenso ein Hotel in Bern. «Das kann doch nicht sein. Die IV verschwendet Geld für Flüge und Hotels, die gar nicht nötig wären. Und ich bin bestimmt nicht der einzige IV-Rentner, der im Ausland lebt, aber immer wieder die Schweiz besucht.»

Benno Schär ist kein Einzelfall. IV-Chef Alard du Bois-Reymond bestätigt, dass die IV grundsätzlich alle Reisekosten bezahlt, wenn jemand für eine Untersuchung aufgeboten wird. Das gilt für Rentner in der Schweiz und im Ausland gleichermassen. «Wir haben gar keine Wahl, denn das Sozialversicherungsgesetz und Verordnungen zur Invalidenversicherung schreiben diese Entschädigungen vor», so du Bois-Reymond. Rund 60 Millionen Franken wendet die IV jährlich für solche Reisespesen auf, den grösseren Teil für IV-Rentner in der Schweiz. Die Hin- und Rückfahrt wird aber nicht nur für Abklärungen, sondern auch für medizinische Behandlungen bezahlt.

Sparvorschlag für die 6. IV-Revision

«Solche Ausgaben werden zu Recht hinterfragt», sagt der IV-Chef. Und er will auch handeln: «Wir klären jetzt ab, wie wir die Reisekosten senken können. Bei solchen Entschädigungen sind wir zurzeit viel grosszügiger als andere Sozialversicherungen.» Nicht verhandelbar sind für du Bois-Reymond dagegen Mehrkosten für Reisen, die wegen einer Behinderung entstehen, zum Beispiel für ein Rollstuhltaxi. Einen konkreten Sparvorschlag will er im kommenden Jahr im Rahmen der 6. IV-Revision dem Bundesrat vorlegen.

Doch warum führt die IV ihre Abklärungen nicht dann durch, wenn Rentner sowieso in der Schweiz sind, wie im Fall Schär? Eine entsprechende Weisung gebe es zwar nicht, in der Regel würden solche Möglichkeiten aber sicher wahrgenommen, sagt du Bois-Reymond. «Bei komplexeren Abklärungen können Termine aber nicht immer verschoben werden.» Für Benno Schär keine befriedigende Antwort. «Ich wäre ja nur wenige Monate später erneut in der Schweiz gewesen. Und die letzten 14 Jahre zuvor hat sich bei der IV niemand für meinen Gesundheitszustand interessiert.»

Benno Schär wurde inzwischen für eine zweitägige Untersuchung in die Schweiz geflogen. Die gesamten Reisekosten beliefen sich laut Schär auf mehr als 3500 Franken. Elf Monate sind seit der Untersuchung vergangen. «Doch über das Ergebnis bin ich bis heute nicht informiert worden», ärgert sich der IV-Rentner.