1. Home
  2. Geld
  3. «Puls 2011» Umfrage zur Alterssicherung: Keine Chance für Rentenalter 67

«Puls 2011» Umfrage zur AlterssicherungKeine Chance für Rentenalter 67

Frage: Wie soll das Ziel der Alterssicherung erreicht werden?

Von

Alt Bundesrat Pascal Couchepin kann ein Lied davon singen. Mit seiner Forderung, das Rentenalter auf 67 zu erhöhen, hatte er sich vor acht Jahren wie ein Winkelried ins Zeug gelegt. Er erntete nichts als Kritik. Sein Vorschlag prallte auf ungeteilte Ablehnung, seiner FDP blies im Wahlkampf fortan der Wind direkt ins Gesicht. Wer wählt schon eine Partei, die will, dass man zwei Jahre länger arbeiten muss?

Dieses Jahr macht keine Partei den gleichen Fehler. Selbstverständlich auch SVP-Parteipräsident Toni Brunner nicht, der zwar in gewohnt forschem Ton fordert: «Die Revision muss in der nächsten Legislatur aufs Tapet.» Es gehe um nicht weniger als «um die Sicherung der AHV». Starke Worte – für eine erstaunlich moderate Forderung. Brunner geht es um die Gleichstellung der Männer. Er will das Rentenalter für Frauen auf ebenfalls 65 Jahre heben.

Das behutsame Vorgehen des SVP-Manns aus dem Toggenburg ist verständlich. Denn radikale Reformen der Sozialwerke haben es traditionell schwer, besonders wenn sie einem Sozialabbau gleichkommen. So löst Rentenalter 67 bei den Lesern Kopfschütteln aus. Bloss einer von fünf findet Gefallen an Couchepins Hauruck-Lösung zur Rettung der AHV.

Klicken Sie auf die Grafik, um sie vergrössert darzustellen.

Quelle: Thinkstock Kollektion

Weniger Rente für Reiche?

Nur eine einzige AHV-Reformidee findet noch weniger Akzeptanz: dass die Renten gekürzt werden. Nur einer von 62 Lesern befürwortet das. Das bestätigt, was die Pensionskassenabstimmung vor einem Jahr unmissverständlich gezeigt hat: Wer bei den Rentnern sparen will, sitzt auf dem falschen Dampfer. Doppelt so viele Sympathien wie das Rentenalter 67 haben gekürzte oder gar keine Renten für Reiche. Auch höhere AHV-Beiträge sind deutlich beliebter, als zwei Jahre länger arbeiten zu müssen.

Die bürgerlichen Parteien kennen diese Bedenken. Entsprechend vorsichtig sind ihre Reformvorschläge. Entsprechend wenig Lärm machen sie um das heikle Thema im Vorfeld der Wahlen. Entsprechend uneinheitlich sind ihre Forderungen, wie eine Umfrage unter den Präsidenten der acht grössten Parteien bestätigt.

Noch am meisten Support hat die Forderung nach einem einheitlichen Rentenalter 65 für Männer und Frauen. SVP, FDP und BDP sprechen sich dafür aus. Die FDP strebt überdies eine Flexibilisierung des Rentenalters an, die man sich jedoch über gekürzte Renten erkaufen müsste. Den Grünliberalen schwebt ein Modell mit einer Lebensarbeitszeit von 40 oder 45 Jahren vor. Nur die CVP mit ihrem Präsidenten Christophe Darbellay schert aus der bürgerlichen Abbaufront aus und gibt sich fast etwas klassenkämpferisch. Der Walliser will die Renten der Reichen kappen.

Ganz anders steigt die EVP in den Wahlkampf. Auch sie will das Rentenalter flexibilisieren, Frühpensionierte aber nicht mit tieferen Renten bestrafen. Um die Zusatzkosten zu finanzieren, will sie eine nationale Erbschaftssteuer wieder einführen. Dies brächte der AHV laut EVP-Präsident Heiner Studer zusätzliche Einnahmen von drei Milliarden Franken pro Jahr. Zusammen mit SP und Grünen will die EVP im Spätsommer eine entsprechende Initiative starten. Studers erklärtes Ziel: «Wir wollen Freiraum schaffen für neue Leistungen.»

Die Ausgangslage vor dem diesjährigen Wahlkampf ist damit klar: Die bürgerlichen Parteien wollen die AHV über den Abbau von Leistungen ins Lot bringen. EVP und Rot-Grün dagegen wollen das Sozialwerk über Mehreinnahmen weiter ausbauen und reiche Erben dafür bluten lassen. Interessant wird sein, ob sie mit ihrer Initiative den Geschmack der Mehrheit treffen, die sich klar gegen einen Abbau der Altersvorsorge ausspricht.

Veröffentlicht am 11. März 2011