Herr Dr. Bernarde Kadaropsky und Frau Dr. Stella Adomatis meinen es gut mit den Kleinanlegern. «Mit IHP Phoenix Biocycle Holding AG haben wir wieder einmal eine noch weitgehend unbekannte Wachstumsperle für Sie entdeckt», teilen die beiden mit. Die Aktie der Phoenix AG werde sich «auf Basis der neuen Zusammenarbeit und Beteiligung des zweitgrössten russischen Energiekonzerns weiter stark aktiv entwickeln». Die erfreuliche Botschaft kommt per E-Mail, Kadaropsky und Adomatis zeichnen als Mitarbeiter einer «Gesellschaft für Markt- und Chartsanalyse».

Die aber kann man lange suchen. Wer im Internet nach näheren Angaben zur Gesellschaft forscht - die anscheinend nur Doktoren und Professoren als Analysten beschäftigt -, stösst statt auf eine seriöse Firmen-Website auf Blog-Einträge mit Warnhinweisen. Fazit: Die Gesellschaft für Markt- und Chartsanalyse gibt es so wenig wie Frau Dr. Adomatis und Herrn Dr. Kadaropsky.

Nur die Spammer gewinnen
Solche Aktien-Spams werden seit ein paar Monaten auch in Europa millionenfach durch die Datenleitungen gejagt. In den USA ist das Phänomen schon länger bekannt. Das Schema ist stets dasselbe: Analysten, meist Akademiker mit bizarr klingenden Namen, raten zum Aktienkauf von komplett unbekannten Firmen, weil deren Wertpapiere «bald abheben», der «Kursanstieg in den kommenden Tagen sicher ist» oder weil die Firma schlicht «die aktuelle Kursrakete» ist.

Den grossen Reibach aber machen höchstens die Spam-Versender. Ihr Trick geht so: Zuerst decken die Spammer sich an einer Börse, zum Beispiel Frankfurt, mit wertlosen Papieren im tiefen Cent-Bereich ein. Durch den Kauf resultiert ein Kursanstieg. Dieser wird im anschliessend ausgelösten elektronischen Massenversand als Beweis für das Potential der Aktie angeführt. Kleinanleger lassen sich verführen und ihre Käufe den Kurs weiter steigen, bis zum Zeitpunkt, an dem die Spammer ihre gehorteten Aktien mit Gewinn auf den Markt werfen. Der Kurs bricht ein - das Nachsehen haben die Kleinanleger.

Der Nutzen von Schutzmassnahmen wie etwa Spam-Filtern ist beschränkt. Oft genug schafft es der Werbemüll in die elektronischen Briefkästen. «Durch geschickte Wortwahl werden die Filter ausgetrickst», sagt Marc Henauer, Leiter der Sektion Cybercrime beim Bundesamt für Polizei. Laut Henauer ebenfalls eine beliebte Masche, um die Filter zu täuschen: Die Mails werden nicht als Text, sondern als Bild oder als PDF-Datei versandt. Ist der Müll im Briefkasten, bleibt nur noch eines: das Drücken der Löschtaste.

Im Hintergrund die russische Mafia
Meist wird die elektronische Werbepest von Rechnern aus dem Ausland geschickt. Guido Rudolphi von der auf Internet-Kriminalität spezialisierten Firma Netmon hat aber auch Computer in der Schweiz als Absender identifiziert. «Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit handelt es sich um gehackte Rechner. Der Besitzer hat keine Ahnung, dass sein Computer zur Spam-Schleuder umfunktioniert wurde», so Rudolphi. Solche gehackten Rechner werden laut dem Internetspezialisten zu sogenannten Botnetzen zusammengefasst. Diese ermöglichen den Massenversand von elektronischer Post an eine nahezu unbegrenzte Zahl von Empfängern.

Botnetz-Kapazität kann laut Rudolphi bei entsprechenden Kontakten frei eingekauft werden. Allerdings landet man in diesem Fall bei eher unappetitlichen Geschäftspartnern: «Hinter vielen Botnetzen steckt die russische Mafia.»