Die Verluste an der Börse trüben das Verhältnis vieler Kunden zu ihrer Bank. Bankberaterinnen und -berater hätten zu wenig auf die Risiken der Wertschriften hingewiesen, wird moniert, der Aktienanteil und damit das Risiko im Depot seien viel zu hoch gewesen. «Wäre ich besser informiert worden, hätte ich nie einer solchen Anlage zugestimmt», klagen viele Beobachter-Leserinnen und -Leser.

Welche konkreten Pflichten die Banken zu beachten haben, hängt von der Art des Auftrags ab. Bei einer Vermögensverwaltung verpflichtet sich die Bank, das Depotvermögen nach vorher vereinbarten Richtlinien selbstständig zu verwalten. Bei der klassischen Anlageberatung hingegen berät die Bank den Kunden, dieser erteilt dann aber selbst die einzelnen Kauf- und Verkaufaufträge. Die Bank wiederum haftet für die getreue und sorgfältige Ausführung des vereinbarten Geschäfts.

Welche Sorgfalts- und Treuepflichten sich für die Bank aus diesem Auftragsverhältnis ergeben, zeigt ein Urteil des Bundesgerichts vom letzten Jahr:

Aufklärungs- und Warnpflicht: Banken müssen Auftraggeber «nach den Umständen des Falls über Chancen und Risiken der Auftragsausführung» aufklären.


Informationspflicht: Wie viel Aufklärungsarbeit die Bank betreiben muss, richtet sich «nach den Kenntnissen und dem Stand der Erfahrung des Auftraggebers».

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Im Ermessen der Berater

Auch die Schweizerische Bankiervereinigung hält in ihren Richtlinien fest, dass die Informationspflicht je nach Fachkenntnissen der Kunden zu erfüllen sei. Dazu gibt es aber folgende Einschränkung: «Grundsätzlich darf der Effektenhändler davon ausgehen, dass jeder Kunde die Risiken kennt, die üblicherweise mit dem Kauf, Verkauf und Halten von Effekten verbunden sind. Dazu gehören insbesondere die Bonitäts- und Kursrisiken von Aktien, Obligationen und Anlagefondsanteilen.» Wer also Aufträge für den Kauf von Wertschriften erteilt, kann sich nicht darauf berufen, er habe die Risiken nicht gekannt.

Letztlich liegt es also im Ermessen des beratenden Bankangestellten, ob und wie umfassend er Kunden aufklären will.

«Bei der Informationspflicht besteht eben ein Graubereich, der keine eindeutige Schwarz-Weiss-Antwort zulässt», bestätigt der Bankenombudsmann Hanspeter Häni, der in Streitfällen zwischen den Kunden und den Banken vermittelt.

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Kunden, die überzeugt sind, dass ihre Bank sie weder gewarnt noch ausreichend informiert hat, sollten sich zuerst schriftlich an die Verantwortlichen wenden und eine klare Forderung unterbreiten. Fällt die Antwort unbefriedigend aus und sind die Kunden nach wie vor von ihrem Standpunkt überzeugt, können sie sich an den Bankenombudsmann wenden. Dieser wird versuchen, aufgrund der Rechtslage eine Einigung zwischen den Parteien zu erzielen. Seine Interventionen sind kostenlos.

Die Klagen häufen sich

Die dramatischen Kurseinbrüche an den Weltbörsen haben Hanspeter Häni bereits viel Mehrarbeit beschert: Die Beanstandungen im Sachgebiet Anlageberatung und Vermögensverwaltung sind im Jahr 2002 im Vergleich zum Vorjahr um über 25 Prozent gestiegen. Wichtig zu wissen, ist, dass der Bankenombudsmann lediglich als Vermittler auftritt, dass er den Banken also keine Weisungen erteilen kann. Erreicht der Bankenombudsmann keine Einigung, bleibt nur der Gang vor Gericht.

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Das Prozessrisiko ist aber beträchtlich. Verletzungen der Treue- und Sorgfaltspflichten sind schwierig zu beweisen, und Verfahrensdauer und -kosten können rasch in die Höhe schnellen.

Zudem liegt der Fehler nicht immer allein beim Berater: Viele Kunden hatten während des Börsenbooms nur die möglichen Kursgewinne vor Augen und verdrängten dabei die Risiken. «Im Normalfall nehmen die Banken ihre Verantwortung wahr», stellt Hanspeter Häni aufgrund seiner langjährigen Erfahrungen fest.

Streit mit der Bank lässt sich vermeiden, indem der Anlagevorschlag kritisch hinterfragt und eine Zweitmeinung eingeholt wird. Man sollte sich keine Illusionen machen: Bankberater sind keine Wahrsager ob sich die Investition lohnen wird, wissen sie so wenig wie die Kunden.

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