Trübere Aussichten am Horizont verschiedener Wirtschaftsmärkte und Gewinnwarnungen von Unternehmen lassen die Aktienkurse bereits seit längerem in den Keller fallen. Im Vergleich zu 1999 sind insbesondere High-Tech-Aktien nur noch einen Bruchteil wert.

Unter den Anlegern herrscht Verunsicherung. Auch bei Beobachter-Leser Urs Keller. Er hat mit dem CS-Fonds «Equity Fund 50 Prime Europe» seit Ende 1999 rund 25 Prozent verloren. Besonders aufgebracht ist er über die schlechte Beratung. Die Credit Suisse sei nicht richtig auf seine Bedürfnisse eingegangen und habe ihm einen zu riskanten Fonds verkauft. Selbst als er nach ersten Kursverlusten Bedenken anmeldete, habe die Credit Suisse ihn bloss beschwichtigt: Der Fonds sei schliesslich ein Blue-Chip-Fonds (Blue Chips sind solide Grossunternehmen), der in 50 führende europäische Qualitätswerte investiere.

Der Fehler der Bank: Der empfohlene Fonds passte gar nicht zum eher risikoscheuen Kunden Keller. Denn der Fonds investiert einen hohen Anteil (rund 40 Prozent) in stark schwankende Wachstumsaktien aus den Bereichen Technologie und Telekommunikation. Keller hat inzwischen die Konsequenzen gezogen, den Fonds verkauft und die Bank gewechselt.

Unterschätzte Risikofähigkeit

Riskante Aktienfonds sind keine Anlage für Leute wie Urs Keller, die nicht mehr ruhig schlafen, wenn die Kurse fallen. Es müsste deshalb die Aufgabe jeder Bank sein, den Kunden über Chancen und Risiken jeder einzelnen Anlage zu informieren und entsprechend seiner Risikofähigkeit die für ihn richtigen Produkte auszuwählen.

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Leider spricht die Fondsbranche aus Profitgründen allzu oft nur von den möglichen hohen Renditen. Dass Renditen aus der Vergangenheit keine Garantie für die Zukunft darstellen, steht nur in klein gedruckten Nebensätzen in den Werbeunterlagen und wird darum von der Anlegerschaft häufig übersehen.

Eine gute Beratung hingegen weist den Anleger bei jedem Investment egal, ob Fonds oder einzelne Aktien auf die damit verbundene Verlustgefahr hin. Denn selbst eher konservative Blue Chips, die der Erfahrung nach geringeren Kursschwankungen ausgesetzt sind, können massiv einbrechen: Schweizer Blue-Chip-Werte wie SAir Group oder die Zürich-Versicherung haben seit knapp eineinhalb Jahren mehr als die Hälfte ihres Werts verloren.

Wahrscheinlich werden diese Titel sich langfristig wieder erholen, aber auch dafür gibt es keine Garantie. Speziell Kleinanleger sollten deshalb keine Engagements in wenigen Einzelaktien eingehen. Das Klumpenrisiko ist einfach zu gross. Deshalb gilt: Wer genug risikofähig ist und in Aktien anlegen will, sollte auf Fonds setzen.

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In der gegenwärtigen Situation fallender Aktienmärkte gilt es vor allem, Ruhe zu bewahren. Anleger sollten mit ihrem Berater nochmals über Chancen und Risiken sprechen. Denn vielen Anlegern haben erst die kriselnden Börsen die Augen dafür geöffnet, welche Risiken sie mit ihrem Geld eingegangen sind. Und auch die unsichere zukünftige Wirtschaftsentwicklung stellt einen zusätzlichen Unsicherheitsfaktor dar.

Aktien nur für langfristige Anleger

Sollte der Anleger nach dem Anlagecheck immer noch unsicher sein, ob er das Risiko tragen kann, bleibt nur der Verkauf von Aktien und Aktienfonds. Entscheidend dabei ist, dass man nur Aktien halten sollte, wenn man langfristig in der Regel mindestens zehn Jahre auf das Geld verzichten kann. Dem risikofähigen Sparer hingegen bieten die derzeit schwachen Aktienmärkte auf lange Sicht wieder günstigere Einstiegsmöglichkeiten. Er kann hierbei je nach Risikobereitschaft und Anlagesumme auf verschiedene Strategien und Anlageprodukte zurückgreifen.

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Für Kleinanleger und regelmässige Sparer bieten sich über Fondssparpläne gute Möglichkeiten, langfristig mehr Renditen zu erwirtschaften als auf dem Sparkonto. Auch für den «Göttibatzen» eignet sich dieses Anlageinstrument. Der Sparer kann sich schon ab 50 Franken einmal im Monat per Dauerauftrag günstige Durchschnittskurse bei Fonds erkaufen. Mal kauft er bei tiefen, mal bei höheren Kursen; dadurch vermindert sich automatisch das Risiko.

Wie bei einzelnen Aktien gibts auch bei Fondssparplänen verschiedene Risikostufen. Investiert man in reine Aktienfonds, ist das Risiko, Kursverluste zu erleiden, höher. Gemischte Aktienfonds (Aktien und Obligationen) rentieren erfahrungsgemäss langfristig weniger als reine Aktienfonds, unterliegen dafür aber auch weniger Kursschwankungen. Bei Fondssparplänen sollte man auch darauf achten, dass man die monatlichen Sparraten erhöhen, verkleinern oder stoppen kann. Grund: Man kann so beispielsweise reagieren, falls die Aktienmärkte noch weiter fallen. Fast alle Banken und einige unabhängige Anbieter bieten mittlerweile solche Fondssparpläne für verschiedene Fonds an.

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Für Anlagesummen von 50000 bis 250000 Franken bietet sich der Kauf von verschiedenen Fonds an. Auch hier gilt es, je nach Risikobereitschaft die richtigen Fonds auszuwählen. Ebenfalls sollte man hier nicht den ganzen Betrag auf einmal einsetzen. Empfehlenswert sind so genannte Tranchenkäufe (alle zwei bis drei Monate kauft man Fonds dazu). Ähnlich wie beim Fondssparplan umgeht man so das Risiko, alles Geld zum schlechtesten Zeitpunkt (zu Höchstkursen) zu investieren.

In der momentanen, unsicheren Situation bieten sich speziell auch Indexfonds an. Sie bilden verschiedene Aktienindizes nach. Ein solcher Index rechnet die Werte einer Zahl von Einzelaktien zusammen, die an einer bestimmten Börse gehandelt werden. So gibt es Indexfonds auf den SMI (Schweizer Blue Chips), den Dow-Jones-Index (Blue Chips Amerika) oder den Euro Stoxx 50 (50 grösste Unternehmen in der Eurozone).

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Gebühren können ins Geld gehen

Indexfonds haben zwei Vorteile: Sie sind günstiger als die anderen Aktienfonds und bringen, statistisch gesehen, längerfristig auch bessere Renditen. Bei der Auswahl von Fonds sollte man immer auch die einmaligen Ausgabeaufschläge und jährlich wiederkehrenden Gebühren im Auge behalten. Zahlt man allein schon beim Kauf Gebühren von fünf bis sechs Prozent, kann es sehr lange dauern, bis man wieder im Plus ist. Die Ausgabekommission beim Fondskauf sollte deshalb in der Regel nicht mehr als 1,5 bis 2,5 Prozent betragen.