«Von denen lass ich mich doch nicht über den Tisch ziehen», sagt Benjamin Ferrari bestimmt. Die Verärgerung über die WNB Finanzanlagen AG ist ihm immer noch anzumerken. Ferrari, 24, arbeitet als Koch und wohnt bei den Eltern im aargauischen Kirchdorf. Vor kurzem rief ihn eine Bekannte an und erzählte ihm von ihrem neuen Job als WNB-Finanzberaterin. Ein Treffen wurde vereinbart.

Die Bekannte, eine frühere Serviceangestellte, die als Beraterin eingearbeitet wurde, erschien gemeinsam mit einem Agenten der WNB. «Es ging alles sehr schnell», erzählt Ferrari. Die beiden präsentierten ihm eine fondsgebundene Lebensversicherung der Pax, nannten Zahlen und füllten gleich die Anträge aus. Die Versicherung sollte so aussehen: Laufzeit 35 Jahre, Jahresprämie 6000 Franken, eine Todesfallsumme von über 250'000 Franken. Zudem wurde ihm eine jährliche Rendite von neun Prozent versprochen. Ein verlockendes Angebot, doch Ferrari unterschrieb nicht. Er wollte sich zuerst mit seinem Vater beraten.

Die WNB Finanzanlagen AG mit Sitz in Stansstad NW hat sich gemäss eigenen Angaben auf den Vertrieb von «hochwertigen und leistungsstarken Fondspolicen» spezialisiert und erreicht damit «über 65'000 Kunden». Tatsächlich vermittelt das Unternehmen aber nur ein einziges Produkt: Lebensversicherungen der Pax, die an einen Anlagefonds gebunden sind.

Benjamin Ferraris Vater ist selber in der Finanzplanung tätig. Er machte seinen Sohn auf die mangelhafte Beratung der WNB-Mitarbeiter aufmerksam. «Mein Sohn ist ledig, hat keine Kinder. Was soll da eine Todesfallsumme von 250'000 Franken und eine so lange Laufzeit?» Zudem ist ihm die versprochene Rendite sauer aufgestossen: «Wer so etwas sagt, handelt schlicht unseriös.» Bei Aktienfonds ist wegen Kursschwankungen gar keine Renditegarantie möglich.

Er schrieb der Pax-Versicherung und fragte, ob sie diese Art von Verkaufsberatung seriös finde. Die Pax antwortete ihm mit Floskeln: «Seitens der Pax wurden und werden grosse Anstrengungen unternommen, um einen gewissen Standard auch bei externen Vertriebskanälen sicherzustellen. Leider sind Qualitätsprobleme in Einzelfällen nicht völlig auszuschliessen.»

Karl Grölly von der Pax gibt gegenüber dem Beobachter immerhin zu, dass er die Benjamin Ferrari vorgeschlagene Jahresprämie recht hoch findet. Der WNB-Agent habe aber gesagt, dass Ferrari auf dieser Summe bestanden habe.

Das Beobachter-Beratungszentrum erhält laufend Anfragen zur Geschäftspraxis der WNB. Für ihre mangelhaft ausgebildeten Berater ist sie seit längerem bekannt. In einer Schnellbleiche werden diese darauf getrimmt, möglichst viele Verträge abzuschliessen und weitere Vermittler anzuwerben, um für sich selbst und die WNB hohe Abschlussprämien zu erzielen. Aus allen möglichen Berufen werden sie rekrutiert; von Vorsorgeberatung haben viele keine Ahnung, wie frühere WNB-Mitarbeiter dem Beobachter mitteilten.

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Die fragwürdigen Geschäftspraktiken der WNB stören den Schweizerischen Versicherungsverband (SVV). Bruno Zeltner, Leiter der SVV-Geschäftsstelle, sagt: «Das Vorgehen der WNB bei der Vermittlung von Lebensversicherungen schadet unserer ganzen Branche. Leider gibt es überall schwarze Schafe.» Mit der Totalrevision des Versicherungsgesetzes sollen die Kontrollen der Aussendienstmitarbeiter jetzt verschärft werden. Das Gesetz tritt aber frühestens 2003 in Kraft.

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