«Seit Januar 2001 arbeite ich überwiegend an diesem Fall», sagt Nathan Landshut. Der Zürcher Bezirksanwalt hat dazu mittlerweile 200 Bundesordner Akten angelegt und rechnet erst für Ende 2003 mit einem Abschluss der Strafuntersuchung. Die Vorkommnisse rund um die Allfinanz Zentrum AG nehmen ihn allerdings zurzeit nur zu rund fünf Prozent in Anspruch. Denn die Machenschaften des Ex-Leumi-Chefs Ernst Imfeld ziehen noch viel weitere Kreise. Die untersuchten Vorwürfe gegen Imfeld lauten: Urkundenfälschung, Betrug, Veruntreuung und ungetreue Geschäftsbesorgung. Die Geschädigten lassen sich grob in folgende Kategorien einteilen:

Direktkunden der Bank Leumi:
Rund 30 Kunden dürften einen Schaden von mindestens 300 bis 350 Millionen Franken geltend machen. Die Vorwürfe: Imfeld habe bei einigen Kunden über Jahre hinweg Anlageverluste verheimlicht. Wenn die guten Kunden zu Besuch kamen, soll er ihnen ein Scheinportfolio mit einem Vermögen präsentiert haben, das nicht den Tatsachen entsprach. Die Aktien- und Devisenspekulationen seien ohne Auftrag und Wissen der Eigentümer des Geldes erfolgt. Bezirksanwalt Landshut will bis Ende Jahr alle Kunden einzeln befragen.

Kunden der Allfinanz Zentrum AG:
Rund 25 Kunden hatten der Allfinanz einen Vermögensverwaltungsauftrag erteilt. Ernst Imfeld, Chef des Private Banking der Bank Leumi, kümmerte sich um die Anlage des Vermögens. Inwiefern auch mit diesen Geldern strafbare Handlungen erfolgten, wird noch untersucht: Es gibt Hinweise auf unautorisierte Devisengeschäfte, Insiderdelikte und persönliche Bereicherung. Das Hauptproblem aus Sicht der Geschädigten: Ihr Geld floss ohne ihr Wissen auf ein Sammelkonto der Allfinanz Zentrum AG. Da die mittlerweile konkursite Allfinanz und ihre Chefs bei der Bank Leumi mit 18 Millionen Franken in der Kreide stehen, hat die Bank die Kundenguthaben von rund 23 Millionen Franken bisher als Sicherheit für dieses Minus betrachtet.