Die Antworten von Luqman Arnold sprechen Bände. Auf die Frage, ob ihn die Kursschwankungen an den Börsen nicht irritierten, sagte der neue UBS-Konzernleitungspräsident kürzlich zur Wirtschaftszeitung «Cash»: «Was für uns zählt, ist ein aktiver Markt. Die Leute kaufen und verkaufen ja weiterhin.» Mit anderen Worten: Die Bank macht immer ein Geschäft. Und zwar ein gutes: Allein durch die Courtagen, dem Obolus aus dem Kauf und dem Verkauf von Wertpapieren, flossen letztes Jahr 4,7 Milliarden Franken in die UBS-Kasse. Erträge aus Fonds, Treuhandkommissionen sowie Depot- und Vermögensverwaltungsgebühren summierten sich zu 8,3 Milliarden Franken. Und dies obwohl kaum ein Wertschriftendepot die letzten Monate unbeschadet überstand.

Der ausgewiesene Reingewinn aller Banken in der Schweiz überstieg im Jahr 2000 erstmals deutlich die 20-Milliarden-Grenze. 1997 waren es noch sechs Milliarden Franken.

Die Gewinne wären noch grösser ausgefallen, hätten sich die Bankmanager nicht selber fürstlich beschenkt. So wurden etwa bei der UBS insgesamt 8,2 Milliarden Franken zusätzlich zum Lohn an «Boni und anderen variablen Kompensationszahlungen» ausgeschüttet, heisst es im UBS-Geschäftsbericht.

Das Füllhorn ergiesst sich nicht nur über die Grossbanker. Selbst bei der Zürcher Kantonalbank soll es Spezialisten geben, die bis zu einer Million Franken zusätzlich garnieren. Diese Einkommensexzesse lösen bei Daniel Zuberbühler, Chef der Eidgenössischen Bankenkommission, nur resigniertes Schulterzucken aus: «Banken, die die exorbitanten Boni kappen oder wesentlich einschränken würden, liefen die Leute davon.» Im Vergleich zu London oder New York hielten sich die Bonussysteme in der Schweiz «in vernünftigeren Proportionen», sagt Zuberbühler. Er glaubt auch, dass die abflauende Börsenkonjunktur die Bonusinflation dämpft.

Der Geldrausch der Banker stösst den Anlegern zunehmend sauer auf. So lässt etwa ein Chatter im Bluewin-Forum seinem Frust freien Lauf: «Überbezahlte Bankmanager zocken Millionen ab, indem sie den Bankkunden immer ein bisschen mehr aus dem Sack stehlen.»

Die Banken haben es in den letzten Jahren bestens verstanden, die Sparer von den höheren Ertragschancen der Anlagefonds zu überzeugen. Massenhaft wurden Gelder von den niederverzinsten Sparkonti in Fonds umgeschichtet: 92,7 Milliarden Franken flossen in den letzten drei Jahren neu in Aktienfonds, 52,3 Milliarden in so genannte Anlagezielfonds und 11,6 Milliarden in Obligationenfonds. Das Gesamtvermögen aller Anlagefonds belief sich Ende 2000 auf 467,7 Milliarden Franken. Verteilt auf die Schweizer Wohnbevölkerung waren dies pro Kopf 65000 Franken.

Ob die Börse boomt oder floppt, braucht die Banken nicht zu kümmern. Denn ganz gleich, in welche Richtung sich die Aktienkurse bewegen, sie profitieren immer. Und kommen die Courtagen dank mehr Konkurrenz unter Druck, hält man sich halt bei den Gebühren schadlos. Was etwa die UBS bei den meisten ihrer Aktienfonds aktuell als vernachlässigbare Gebührenerhöhung zwischen «0,06 bis 0,3 Prozent» verkauft, ist in Tat und Wahrheit bis zu einem Fünftel mehr an Gebühren. Begründet wird der Aufschlag mit den höheren Ansätzen der Konkurrenz und einer Bruttorendite, die «nicht wirklich zufrieden stellt». Und dies trotz 47 Prozent höheren Erträgen aus dem Fondsgeschäft im letzten Jahr. Die UBS ist mit einem Marktanteil von über 40 Prozent die Nummer eins im Schweizer Fondsmarkt.

Besonders ärgerlich ist, dass zwar immer mehr Geld in die Fondskassen gespült wird, die Verwaltungskosten aber nicht sinken. Konkret: Für einen Fonds mit einem Anlagevolumen von 100 Millionen Franken mögen jährliche Management- und Vertriebskosten von 1,5 Millionen Franken gerechtfertigt sein. Wächst aber der Fonds beispielsweise auf 500 Millionen Franken, kassiert die Bank bei gleich bleibendem Gebührensatz jährlich 7,5 Millionen Franken – ohne bedeutend mehr leisten zu müssen.

Die Gebühren sind überrissen
Kommentar von Matthäus Den Otter, Mitarbeiter der Eidgenössischen Bankenkommission (EBK): «In den letzten zehn Jahren haben die Fondsanbieter bei der EBK nie eine Reduktion der reglementarischen Vergütungen beantragt, obwohl das Fondsgeschäft förmlich explodierte. Offenbar fehlt der Kostendruck, der die Marktteilnehmer zum Wohl der Anleger disziplinieren würde.»