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E-Banking Wie die Postfinance Viren bekämpft

Würden Sie Ihren PC einer fremden Firma anvertrauen? Genau das schlägt die Postfinance bei Verdacht auf Viren vor.

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Es beginnt mit einem Brief der Postfinance: «Bitte rufen Sie uns an.» Bruno Herzig aus Worblaufen BE leistet Folge. Ein Mitarbeiter erklärt, Herzigs Computer sei mit hoher Wahrscheinlichkeit von einem Trojaner namens «Tropig» befallen, der Daten und Passwörter ausspioniert. Der Mann empfiehlt, den Schaden sofort zu beheben und den Computer von der Firma Sabtec neu aufsetzen zu lassen.

«Sabtec? Nie gehört», sagt Kongressorganisator Herzig. «Auf meinem Rechner sind heikle Kundendaten, die ich nicht in fremde Hände gebe. Wie soll ich einer Firma trauen, deren Name ich nur einmal am Telefon höre?» Und: Wie hat die Post vom angeblichen Virus erfahren? Und warum empfiehlt sie ausgerechnet diese Firma? Beunruhigt ist er wegen des angeblichen Trojaners trotzdem. Er beauftragt zwei IT-Spezialisten – sie können nichts finden.

Aufmerksame Kontoverwaltung

In der Finanzbranche ist es üblich, während der elektronischen Kontoverwaltung ungewöhnliche Vorgänge bei Kundencomputern zu registrieren, da diese auf ein Virus hinweisen können. Kunden werden dann informiert. «Einen Virenverdacht stellen wir bei weniger als einem Promille unserer 1,2 Millionen Kunden fest», sagt Alex Josty von Postfinance. Bei den meisten erhärte sich dieser. «Kennen betroffene Kunden keine Informatikfirma, empfehlen wir Sabtec», so Josty.

Die Postfinance kooperiert mit der Firma und bezahlt rund die Hälfte der Kosten zur PC-Neuaufsetzung. Sabtec ist vertraglich zur Vertraulichkeit und zur Einhaltung bestimmter Qualitätsstandards verpflichtet. «Es steht dem Kunden frei, eine andere Fachperson zu wählen», sagt Josty. Dann falle jedoch die Beteiligung der Post weg.

Erst nach einigem Beharren bekommt Herzig schriftliche Antworten auf seine Fragen. «Ich hätte mir von Anfang an mehr Transparenz gewünscht», sagt Herzig. Ihm bleibt eine Rechnung von rund 1400 Franken für die unnötige Virensuche. «Für Finanztransaktionen werde ich wieder an den Schalter gehen», sagt er.

«Normalerweise schätzen unsere Kunden den Kontakt per Telefon», so die Postfinance. In diesem Fall hätte man aber sicher früher auf den Wunsch nach schriftlichen Informationen eingehen sollen. Hat das Folgen? Die Postfinance: «Unser Vorgehen hat sich bewährt, wir werden keine Standard­änderungen vornehmen.»

Veröffentlicht am 11. Oktober 2011