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Lehman BrothersCredit Suisse bricht alle Gespräche ab

Rückschlag für die Geschädigten der Lehman-Brothers-Pleite: Die Grossbank Credit Suisse (CS) will die bisherigen Entschädigungsangebote nicht nachbessern. Den Geschädigten bleiben nur zwei Möglichkeiten: Die Kröte schlucken – oder klagen.

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Mehr als 2000 Betroffene, die wegen der Lehman-Pleite Geld verloren haben, wendeten sich an Bankenombudsman Hanspeter Häni: der grösste Fall in der Geschichte der unabhängigen Ombudsstelle. Monatelang setzte sich Häni für ihre Interessen ein, studierte Dossiers, verhandelte hinter den Kulissen. In einigen Fällen konnten Häni und sein Team erreichen, dass die Banken ihr ursprüngliches Entschädigungsangebot erhöhten.

Doch damit ist jetzt für CS-Kunden Schluss. In einem Brief an alle Ratsuchenden schreibt Häni, dass die CS weitere Zugeständnisse kategorisch ablehne. Ein abruptes Ende. «Wir haben alles gemacht, was in unserer Macht steht», sagt Häni, «und es ist immer unbefriedigend, wenn wir eine aus unserer Sicht angemessene, faire Lösung sähen, und es nicht schaffen, sie zu realisieren.» Wohlabgewogene Worte, hinter denen aber Hänis Frust und Ärger über die CS aufblitzen.

Einzig für sogenannte Härtefälle will die CS eventuell weitere Zugeständnisse machen, schreibt Häni im dem Beobachter vorliegenden Brief, nämlich dann, «wenn der Kunde nachweisen kann, dass ihn der Verlust mit den Papieren von Lehman Brothers in eine Notlage gebracht hat.» Was das genau heisst, weiss Häni nicht. Die CS will nach eigenem Gutdünken darüber entscheiden.

Kühne Behauptung der CS

Wer keinen solchen «Härtefall» belegen kann, dem bleiben nur noch zwei Möglichkeiten: Das Angebot der CS annehmen (bei den meisten Geschädigten bewegt es sich zwischen 50 und 70 Prozent der ursprünglichen Anlagesumme) – oder vor Gericht klagen. Häni rät den Betroffenen «eindringlich», sich vor einem solchen Schritt mit einem spezialisierten Anwalt zu besprechen, denn ein solches Gerichtsverfahren ist «mit beträchtlichen Kosten und einer nicht zu unterschätzenden Unsicherheit bezüglich des Ausgangs verbunden». Es kann für Geschädigte auch hilfreich sein, für diese Entscheidfindung Kontakt zu einer der beiden Selbsthilfegruppen von Lehman-Geschädigten (siehe «Weitere Infos») aufzunehmen – was Häni als neutraler Vermittler offiziell jedoch nicht empfehlen darf.

Am meisten betroffen vom Verhandlungsabbruch der CS sind Anleger, die völlig börsenunerfahren zu Lehman-Investments überredet wurden sowie Anleger, die einen extrem hohen Anteil ihres Vermögens in Lehman-Papiere investiert hatten. Bei diesen beiden Kategorien von Betroffenen hatte Häni versucht, bessere Entschädigungsangebote zu erhalten, und ist jetzt bei der CS abgeblitzt.

Gerade in diesen Fällen ist es eher unwahrscheinlich, dass die Anleger für eine höhere Entschädigung kämpfen und klagen werden: «Wer absolut uninformiert in Lehman-Papiere investierte, hatte eine tiefe Risikobereitschaft. Es ist naheliegend, dass diese Leute wohl auch eine tiefere Risikobereitschaft haben, jetzt gegen eine Bank zu klagen», sagt Häni – umso mehr, als klagen ein «mindestens so riskantes Unterfangen» sei wie seinerzeit ein Investment im Lehman-Papiere. 

Die CS sieht die Sache ganz anders: Die Grossbank beharrt gemäss Hänis Brief darauf, dass «in keinem Fall» eine Fehlberatung stattfand und dass die Kunden «in allen Fällen vollständig und gesetzeskonform» über die Risiken und Besonderheiten der Lehman-Produkte aufgeklärt worden seien – angesichts der zahlreichen Fallschilderungen von Betroffenen eine kühne Behauptung.

Zudem sei «der Kunde allein verantwortlich», ein Klumpenrisiko zu vermeiden, also die Vermögensanlage möglichst breit zu streuen – eine illusorische Vorstellung, denn genau unerfahrene Anlegern müssen sich auf die Empfehlung ihrer Bank stützen können. Dieses Klumpenrisiko führte manche CS-Kunden an den Rand des finanziellen Desasters. In einer ersten Runde unterbreitete die CS nur jenen Kunden ein Entschädigungsangebot, die mehr als 50 Prozent ihres Vermögens in Lehman-Papiere investiert hatten, später senkte sie diese Grenze auf 20 Prozent.

Bankenombudsman Häni nahm diese Entwicklung «mit Befriedigung» zur Kenntnis, weil sie «in vielen Fällen» zu angemessenen Lösungen führte. Nicht aber bei den vorerwähnten Kategorien: In «nicht wenigen Fällen», so Häni, sei er zum Schluss gekommen, dass «Gründe für eine Fehlberatung der Bank vorliegen könnten, welche eine höhere Entschädigung rechtfertigen würden.» Genau in diesen Fällen hat nun die CS die Tür für weitere Verhandlungen zugeschlagen.

Weitere Infos

Selbsthilfegruppen für Lehman-Geschädigte:

anlage-opfer.ch

anleger-selbsthilfe.ch

Veröffentlicht am 17. Juni 2009

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12 Kommentare

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Chris
"Den Geschädigten bleiben nur zwei Möglichkeiten: Die Kröte schlucken – oder klagen." Ach was, da gibt es viel mehr Möglichkeiten - ja klagen ist gut, doch dann merkt man sehr schnell, dass die Justiz korrupt ist und dann? Kröte schlucken? Nein, Nein, dann gibt es immer noch den Weg über die Selbstjustiz... Und dieser Weg wird aktuell auf Grund der unfähigen Justiz für Opfer immer populärer... Und Selbstjustiz hat nicht immer etwas mit Gewalt zu tun, wenn nun jemand nur daran gedacht hat... Nein, Nein da gibt es viele Möglichkeiten davon, da ist der Kreativität dann freien Lauf gestattet!

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namor müller
So eine Scheissfirma, diese CS. Wieder Mia Gewinne und die Deppen, die 100 % kapitalgeschützte CS-Papiere (lies LB) gekauft haben gehen leer aus. Ein Masochist der bei dieser CS bleibt!

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Michael Schmid
Die CS sollte sich nichts darauf einbilden, dass viele Sparer ihr Teilentschädigungsangebot angenommen haben. Die meisten haben aus einer finanziellen oder emotionalen Notlage heraus gehandelt. Irreführung und Wortbruch der CS bleiben. Dass viele CS-Opfer bis heute überhaupt kein Angebot erhalten haben, ist genauso skandalös wie das Verhalten der Finma, die auf ihrer Website verspricht, die Finanzmarktkunden zu schützen. Selten hat eine angeblich "unabhängige Aufsichtsbehörde" ihre Mission so verraten wie die Finma im Fall Lehman/CS.

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Gina
Banken verfolgen immer auch eigene Ziele, die sich nicht immer mit denen der Kunden decken müssen. Es ist deshalb schöne naiv von Bankberatern eine unabhängige Beratung zu erwarten. Ich finde die Politik der CS völlig verständlich, keine weiteren Zugeständnisse an die "Lehman-Geschädigten" zu machen. Seit X Jahren heisst es immer, man solle sein Geld nirgendwo hingeben, dass nicht durchschaubar ist, solle diversivizieren und auch das Kleingedruckte genau durchlesen. Warum sollten nun plötzlich Leute, die sich in keiner Weise an diese Grundsätze gehalten haben, plötzlich für ihre Naivität/Dummheit auch noch belohnt werden? So hart es im Einzellfall auch sein mag, ich hoffe, die CS erhöht ihr Angebot nicht weiter. Man gibt sein Geld schliesslich nicht so leichtfertig weg.

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