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Lehman-GeschädigteDie Finma schützt Banken statt Kunden

Die Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers, bei der Tausende von Schweizer Klein­an­legern viel Geld verloren, hat Folgen.

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Die Schweizer Finanzmarktaufsicht Finma will schär­­fere Regeln für den Vertrieb von Finanzprodukten einführen – löblich. Nicht nachvollziehbar ist dagegen, dass das Banken-Kontrollorgan dazu aus­schliess­lich auf die Vorschläge von Banken, Anwaltskanzleien und weiteren Organisationen hört – Eingaben von direkt betroffenen Lehman-Geschädigten dagegen ignoriert die Finma.

Auf 31 engbedruckten Seiten fasst die Finma zusammen, was UBS, Bankiervereinigung und Co. von den Finma-Vorschlägen halten, jede einzelne Stellungnahme lässt sich auch im Internet abrufen. Mit einem einzigen dürren Satz werden aber die «Eingaben geschädigter Privatpersonen» abgehandelt. Zudem werden diese «aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes» nicht veröffentlicht.

«Die Bank anonymisieren»

Für den Lehman-Geschädigten Michael Schmid ist das eine plumpe Ausrede: «Natürlich erwähne ich in meiner Eingabe die Credit Suisse, wegen deren Anlageempfehlung ich 56'000 Franken verloren habe. Aber wenn es der Finma wirklich um den Persönlichkeitsschutz ginge, könnte sie ja problemlos den Namen der Bank anonymisieren.» Die Finma schütze vielmehr die Banken vor der Kritik der Kunden – dabei gehe es doch genau ums Gegenteil.

Gegenüber dem Beobachter macht die Finma-Sprecherin Christina Bürgi geltend, die Eingaben von Lehman-Geschädigten würden nicht publiziert, weil sie sich «nicht inhaltlich zu den Vorschlägen» der Finma äusserten.

Doch das trifft mindestens im Fall von Michael Schmid nicht zu. Er regt beispielsweise an, unlautere Werbemethoden für Finanzprodukte zu verhindern, mangelhafte Produkt­beschreibungen zu verbieten sowie die Banken zu verpflichten, ihre Kunden vor abseh­baren Verlusten zu warnen, insbesondere bei Produkten mit angeblich «100 Prozent ­Kapitalschutz». Das ist deutlich substantieller als etwa die Stellungnahmen von Greenpeace oder dem Arbeitskreis Tourismus und Entwicklung. Doch diese lassen sich auf der ­Finma-Internetseite in voller ­Länge und ganzer Belanglosigkeit nachlesen.

Veröffentlicht am 08. Mai 2012