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RaiffeisenEin goldener Fauxpas

Die Raiffeisenbank Bern verkauft Goldbarren weiter, die ihr gar nicht gehören. Den Schaden will sie auf die Besitzerin abwälzen und stellt ihr fast 6000 Franken in Rechnug.

Weil der Goldpreis derzeit so hoch ist, überlegte sich Liliane Deutsch, ihre in einem Safe lagernden Barren zu verkaufen. Also fragte sie im Januar bei mehreren Banken nach einer Offerte, verbunden mit Anlagemöglichkeiten für die Summe aus dem Verkauf der fünf Kilogramm Gold. Mit dem Finanzberatungsleiter der Raiffeisenbank Bern vereinbarte Deutsch einen Gesprächstermin, den sie aber kurzfristig verschieben musste. Gleichentags um 20.30 Uhr rief der Bankberater an und forderte sie ultimativ auf, das Edelmetall am nächsten Tag zur Bank zu bringen - denn er habe die Goldbarren bereits weiterverkauft.

Das ist erstens seltsam, denn Deutsch hatte bloss um ein Angebot gebeten. Und zweitens geradezu fahrlässig, weil das Geldinstitut gar keine Ahnung hatte, mit wem es ein Geschäft über mehr als 150'000 Franken einfädelte - Deutsch war keine Kundin der Raiffeisenbank Bern. Die Bank wusste nicht einmal, ob die telefonisch angebotenen Goldbarren überhaupt existieren und ob sie echt sind.

Doch es kam noch dicker: Am nächsten Tag meldete sich der Chef der Raiffeisenbank Bern und bezeichnete Deutsch am Telefon als «Wortbrecherin» und «unerwünschte Kundin». Einen Tag später erhielt sie gar eine Rechnung. Weil sich Liliane Deutsch nicht an «vertragliche Abmachungen» gehalten habe, seien der Bank «Kosten von 5875 Franken» entstanden, die Deutsch mit dem beiliegenden Einzahlungsschein innert zehn Tagen begleichen solle. «Ungeheuerlich», kommentiert Deutsch. «Ich soll für einen Fehler der Bank geradestehen und muss mir auch noch ehrverletzende Kommentare gefallen lassen.»

Man gibt sich wortkarg
Der Dachverband der Raiffeisen-Gruppe äussert sich nur wortkarg zu dem peinlichen Vorfall. Ob es Usanz sei, dass Gold bereits weiterverkauft wird, bevor es real vorliegt und auf seine Echtheit geprüft wurde, will Raiffeisen-Sprecher Stefan Kern nicht beantworten. Die Verantwortlichen vor Ort würden «von Fall zu Fall» entscheiden, ob eine Absicherung notwendig sei. Im konkreten Fall habe die Bank aber davon ausgehen dürfen, dass ein Vertrag zustande komme. Dass Raiffeisen-Mitarbeiter ehrverletzende Äusserungen gemacht hätten, bestreitet der Raiffeisen-Sprecher.

Immerhin: Die «Rechnung» über 5875 Franken hat die Raiffeisenbank Bern inzwischen «aus Kulanzgründen» storniert. Liliane Deutsch sucht sich dennoch eine vertrauenswürdigere Bank.

Veröffentlicht am 17. März 2008