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Steuerflucht«Sie sollten keinen Ferrari kaufen»

Schweizer Privatbanken nehmen nach wie vor Steuerfluchtgelder an. Das zeigen Aufnahmen des französischen Fernsehens.

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Keine Prüfung auf Steuerflucht

Die Aussagen ihrer Berater sind nach Meinung der Bank Wegelin «allgemein gehalten und un­spektakulär». Die beiden hätten sich ans Schweizer Recht und an die internen Richtlinien gehalten und niemals einen direkten oder indirekten Beitrag zur Steuerhinterziehung ge­leistet. «Das Schweizer Finanzmarktrecht kennt keine Pflicht der Bank, die fiskalische Situation des Kunden abzuklären», so die Bank. Es werde bloss ge­prüft, ob die Gelder krimineller Herkunft seien.

Für den Zürcher Finanzmarktprofessor Teodoro D. Coc­ca eine unverständliche Haltung: «Wenn ein ausländischer Kunde offen deklariert, dass er Geld an den Steuerbehörden seines Landes vorbeischleusen will, erwarte ich von einer Bank mit Nullrisikostrategie, dass ­ihre Berater die Annahme des Geldes sofort ablehnen.» Und Claude-Alain Margelisch von der Geschäftsleitung der Bankiervereinigung bestätigte gegenüber France 3: «Der Bankier muss dieses Geld zurückweisen. Er übernimmt sonst die Verantwortung einer aktiven Unterstützung.» Patrick Odier, Präsident der Bankiervereinigung, stellte kürzlich klar: «Wir müssen unsere zukünftigen Geschäftsaktivitäten klar auf steuerehrliche Gelder konzen­trieren.»

Privatbank Wegelin & Co: der geschäftsführender Teilhaber Konrad Hummler
Quelle: Anne Morgenstern

Das Gespräch wurde mit versteckter Kamera gefilmt. Eine Privatbank in Lausanne: Der Kunde schildert den beiden Bankberatern seine Lage. Er habe in Belgien eine halbe Million Euro geerbt und keine Lust, das Geld bei den französischen Steuerbehörden anzumelden. «Das Bankgeheim­nis in der Schweiz ist relativ dicht», beruhigt ein Berater. In Wirklichkeit ist der vermeintliche Steuerflüchtling ein Journalist des TV-Senders France 3.

Die zwei Bankiers sind auch um gute Tipps nicht verlegen. «Wenn Sie Ihren Lebensstandard nicht ändern, werden die französischen Steuerbehörden nicht merken, dass Sie Geld im Ausland haben.» Sein Kollege doppelt nach: «Ich gebe Ihnen ein Beispiel: Wenn Sie bis jetzt einen 2CV fahren, sollten Sie nicht einen Ferrari kaufen.»

Der Name der Bank wird im Beitrag nicht erwähnt. Der Beobachter aber weiss: Es ist die Lausanner Filiale der St. Galler Privatbank Wegelin. Konrad Hummler, geschäftsführender Teilhaber und Präsident der ­Vereinigung Schweizerischer Privatbankiers, hatte kürzlich in Abrede gestellt, seine Bank beherberge Steuerfluchtgelder.

Veröffentlicht am 24. November 2009