Die volle Freizügigkeit in der beruflichen Vorsorge, also die Mitnahme des gesamten Sparguthabens aus der zweiten Säule bei Stellenwechsel, wird bei der Beamtenversicherungskasse des Kantons Zürich (BVK) für ältere Arbeitnehmer ausgehebelt. Kündigt dort ein 60-Jähriger, mutiert er zum «Halbrentner» - auch wenn er bei anderen Arbeitgebern eine neue Stelle antritt: Maximal die Hälfte seines Sparguthabens erhält er als Kapital ausbezahlt, die andere Hälfte wird in eine Rente umgewandelt.

Weil diese «halbe» Rente schon mit 60 beginnt, wird sie entsprechend gekürzt. Gleichzeitig fehlt die Hälfte des Sparkapitals in der neuen Pensionskasse, was den weiteren Aufbau der zweiten Säule einschränkt. Auch steuerlich können Nachteile entstehen. Trotzdem: «Eine Änderung ist nicht vorgesehen», erklärt Thomas Theiler von der BVK. Man wolle den Versicherten ab 60 ein Teileinkommen sichern.

Diese Haltung kritisiert Viktor Zeller aus Effretikon ZH, der ebenfalls bei der BVK versichert ist: «Solche Reglemente bestrafen ältere Arbeitnehmer.» Doch laut Bundesgericht ist dies rechtens. Mehrere Pensionskassen kennen in ihren Reglementen die Zwangspensionierung vor dem AHV-Alter.

Doch nun ist ein Ende dieser arbeitnehmerunfreundlichen Praktik absehbar. Bei der Neuauflage der 11. AHV-Revision will der Bundesrat die volle Freizügigkeit durchsetzen: Wer die Vorsorgeeinrichtung vor dem reglementarischen Rentenalter verlässt, soll sein ganzes Sparguthaben in eine neue Kasse einbringen können. Vorgesehen war dies schon beim ersten Anlauf, der jedoch am Referendum scheiterte. Damit die politischen Mühlen bezüglich Freizügigkeit schneller mahlen, hat SP-Nationalrätin Susanne Leutenegger Oberholzer nun eine entsprechende Parlamentarische Initiative eingereicht.