Seit vier Monaten bereist Stefan Gampp Süddeutschland und die Schweiz, um seinen «Sozialförderverein Dreiland» zu bewerben. So versprach er im August im luzernischen Reiden etwa einem Dutzend Zuhörern die «Regulierung von Verbindlichkeiten und die Wiederherstellung normaler Lebensumstände». Mit seinem Verein aus dem süddeutschen Lörrach verfolge er ausschliesslich «gemeinnützige Zwecke». Der 42-Jährige behauptet, er habe sieben Jahre lang als Finanzberater gesehen, wie Banken und Versicherungen ihren Kunden das Geld aus der Tasche zögen. Das habe er nicht mehr verantworten können, deshalb wolle er sich lieber für diejenigen einsetzen, die noch nicht auf einen grünen Zweig gekommen seien.
Und so soll es funktionieren: Wer in einem Engpass steckt oder sich etwas leisten will, kauft sich für knapp 2'450 Franken einen Anspruch auf ein «zinsfreies Darlehen, das nicht zurückgezahlt werden muss», über 8'380 Franken. Die Einzahlung erfolgt nach einem «Beratungsgespräch» sofort, auf das Darlehen hat man in der Normalvariante einige Monate später Anspruch. Wer bereit ist, länger zu warten, dem wird ein noch höherer Betrag versprochen. Kauft man etwa 20 Ansprüche zu 2'450 Franken mit vierjähriger Wartefrist, verspricht der Sozialförderverein ein «Gratis-Darlehen» von 825'000 Franken.

«Das tönt wie ein Märchen», antwortet Stefan Gampp auf die kritische Frage einer Teilnehmerin, «aber es funktioniert.» Da gebe es, spinnt er die Mär in Reiden weiter, eine Anzahl anonymer amerikanischer Wohltäter, mit denen er vor einigen Jahren in Kontakt gekommen sei. «Wir haben einen Kapitaltopf zur Verfügung, der nicht von den Einzahlungen der Darlehensnehmer gespeist wird», erklärt Gampp, «sondern von diesen Philanthropen.» In diesem Topf befänden sich nicht weniger als 28 Milliarden Dollar, die einer amerikanischen Kapitalgesellschaft zur Verfügung stünden. Wer die 2'450 Franken oder ein Mehrfaches einzahlt, erhält von dieser US-Firma ein Zertifikat über das entsprechende Darlehen. Der Gerichtsstand für das Geschäft ist in den USA. Sollte es also mit dem versprochenen Manna nicht klappen, müsste man dort klagen. «Das ist in der Tat schwierig und teuer», muss auch Gampp einräumen.

Kein unbeschriebenes Blatt

200 Mitglieder habe der Verein, behauptet der «Menschenfreund». Wie viel diese eingezahlt hätten, will er nicht sagen. Das Interesse an «Beratungsgesprächen» scheint aber gross. «Ein Bekannter von mir wollte gleich 20-mal die 2'450 Franken einzahlen», erzählt ein Teilnehmer einer Veranstaltung des Sozialfördervereins, «aber er hat dann doch auf mein Anraten die Finger davon gelassen.» Daran hat er gut getan. Mario Roncoroni vom Verein Schuldensanierung Bern: «Grundsätzlich ist immer Vorsicht geboten, wenn einem das Blaue vom Himmel versprochen wird, man aber eine Vorauszahlung leisten muss.»

Stefan Gampp ist kein unbeschriebenes Blatt: Als Chef der Firma Innomak verspricht er eine der «besten Geschäftsmöglichkeiten der Welt». Wer einsteigt, erhält für 140 Franken im Monat Artikel wie Benzinzusätze, Reinigungs- und Schönheitsprodukte sowie einen Eintrag auf der Innomak-Homepage. Verdient wird nicht nur am Produkteverkauf, sondern indem man neue Mitglieder gewinnt, an deren Provision man beteiligt ist. Die Grenze zum verbotenen Schneeballsystem ist fliessend. Etliche vom Beobachter angefragte Verkäufer haben kaum etwas verdient und sind ausgestiegen. Von der auf der Homepage angepriesenen Chance, das Einkommen «fünf-, zehn- oder hundertmal» zu steigern, kann keine Rede sein.

Derweil hängt Gampp noch ganz anderen Träumen nach. Er ist ein aktives Mitglied des «Staates 2tes Deutsches Reich», einer Organisation, die die Gründung der Bundesrepublik von 1949 als illegitim erachtet und sich dafür auf die Weimarer Verfassung der Vorkriegszeit beruft. Die Organisation stellt eigene Ausweise aus und verfügt in jedem Bundesland über eine eigene «Regierung». Stefan Gampp vertritt dabei Baden-Württemberg, wie der selbsternannte Reichskanzler, Wolfgang Gerhard Günter Ebel, ein pensionierter Beamter der Berliner S-Bahn, bestätigt.