Hopp Dreitanne, no ne Pfanne!»: So dröhnte es in den achtziger Jahren im Eisstadion Kleinholz. Der Schlachtruf galt den Eishockeyaktiven von Olten, das drei Tannen im Wappen führt. Die Mannschaft war in die Nationalliga A aufgestiegen, ihre Schützlinge waren die Jugendidole einer ganzen Region.

Was damals eine grosse Sportvereinsfamilie war, die über 9000 Zuschauer in die Eishalle lotste, ist heute eine Aktiengesellschaft, die finanziell am Rand des Abgrunds steht und deren Akteure vor weit weniger Publikum in der Nationalliga B kämpfen. Der aus familiärer Geborgenheit genährte Kampfgeist ist einer anonym-kommerziellen Atmosphäre gewichen.

Pius Rudolf von Rohr, 55, hat den Wandel selbst miterlebt. Während fast 40 Jahren war er der Mannschaft treu verbunden, lange Zeit war er selber Protagonist auf dem Eis. Heute kämpft er für seinen 28-jährigen Sohn André, der auch im Club spielte, aber Mitte 2002 gefeuert wurde. Grund: Er hatte sich geweigert, in eine massive Lohnreduktion einzuwilligen.

«Freiwillig» auf Beiträge verzichtet?


Vater Rudolf von Rohr ist den Clubverantwortlichen, die seinen Sohn als «Querulanten» bezeichneten, auf den Fersen. Er hat eine düstere Vermutung: Bei der Abwicklung der beruflichen Vorsorge gehe nicht alles mit rechten Dingen zu. Beobachter-Recherchen zeigen: Die Vermutung ist begründet. Zumindest seit Anfang 2000, als der Verein zur AG mutierte, gingen die Verantwortlichen mit den Vorsorgeansprüchen ihrer Stock- und Kufenkünstler teilweise unverantwortlich um.

In André Rudolf von Rohrs Lohnausweis für das Jahr 2001 waren keine BVG-Beiträge deklariert, obwohl er mehr verdiente als das abzugspflichtige Minimum von 25320 Franken. Auch dem früheren Flügelstürmer Reto Germann, 29, wurden nach eigenen Angaben während der ganzen Saison 2000/2001 keine BVG-Beiträge abgezogen.

Vater Rudolf von Rohr bezweifelt, dass die Beiträge arbeitgeberseitig korrekt abgerechnet und einbezahlt wurden. Einige Spieler, darunter auch Profis, «wissen gar nicht, was BVG heisst», meint ein Insider. Andere hätten «freiwillig» auf diese Abzüge verzichtet, weil sie in ihrem Hauptberuf schon versichert waren.

Vor mehr als einem Jahr erkundigte sich Vater Rudolf von Rohr bei der AHV-Ausgleichskasse des Kantons Solothurn nach der Vorsorgeeinrichtung des EHCO. Bereichsleiter Michael Christ beschied ihm, «gemäss unserem Register» habe der Club sein Personal «bei der Vorsorgeversicherung Providentia für die berufliche Vorsorge versichert».

Diese Auskunft war nicht auf aktuellem Stand. Denn einen Tag zuvor hatte die Providentia an Rudolf von Rohr geschrieben: «Unsere Gesellschaft hat es abgelehnt, das BVG für die neue Firma durchzuführen, da wir diverse Ausstände mit dem alten EHC Olten haben» – es soll sich um einen fünfstelligen Betrag gehandelt haben.

Eisiges Schweigen bei den Behörden


Als der Beobachter dem BVG-Rätsel nachging, stiess auch er auf eine Mauer des Schweigens. Die Behörden scheinen in Sachen EHCO keine besonders rigorose Kontroll- und Aufsichtsaktivität an den Tag zu legen. Kurt Hochstrasser, stellvertretender Leiter der Solothurner AHV-Kasse, beruft sich aufs Amtsgeheimnis. «Der EHCO ist kein unbeschriebenes Blatt bezüglich Durchführung der Sozialversicherung», lässt er sich nur entlocken und verweist an die kantonale BVG-Stiftungsaufsicht.

Laut Leiterin Maria Carla Rüefli hat der Club am 27. Oktober letzten Jahres gemeldet, er sei bei der Stiftung Auffangeinrichtung BVG Winterthur versichert, doch müssten die Angaben der Spieler noch «vervollständigt» werden. Für weitere Auskünfte sei die Winterthur-Stiftung zuständig. Dort wiederum beruft sich Geschäftsführer Markus Stieger auf die Schweigepflicht.

Dass die Sportfirma das BVG-Dossier mit der Sorglosigkeit eines Viertligavereins führt, wird spätestens mit der Nachfrage beim Club klar, dessen letzter Präsident kürzlich zurücktrat und dessen Finanzchefs sich in den vergangenen Jahren die Klinke in die Hand gaben. Dort spielt man den Puck sofort weiter. «Jetzt fragen Sie mich Sachen!», meint Marcel Enkerli, seit letztem Herbst Geschäftsführer in bereits gekündigter Stellung, auf die Frage nach der Vorsorgeeinrichtung. «Ich hatte nichts damit zu tun.» Und auch der neue Präsident Stefan Steiner, der in Aarburg ein Modehaus betreibt und sich mit Enkerli gar nicht mehr grün ist, gibt sich wortkarg. Ob noch Zahlungsausstände bestehen, «weiss ich nicht. Beim Lohn komme ich zu wenig draus, ich bin nicht Buchhalter von Beruf», windet sich Clubprimus Steiner und verweist für weitere Auskünfte an den ehrenamtlichen Lohnbuchhalter Thomas Eng.

Dabei war Steiner bis Ende 2003 EHCO-Finanzchef. Er machte im Dezember Schlagzeilen, als er nach einem Spiel mit den Tageseinnahmen der Bratwurstverkäuferin türmte, weil die Verpflegungsfirma dem Club noch Geld schuldete. Der damalige Präsident Dätwyler brachte den Betrag anschliessend zurück. Doch die Polizei ermittelte gegen Steiner wegen unerlaubter Selbsthilfe und Nötigung. Das Verfahren sei hängig, heisst es aus der Umgebung des Untersuchungsrichters.

Lohnadministrator Eng, hauptberuflich Treuhänder und bis Ende der neunziger Jahre ebenfalls EHCO-Finanzchef, räumt schliesslich sorgenvoll ein, dass er «keinen Überblick» habe, ob gegenüber der Vorsorgeeinrichtung noch Beiträge ausstünden. Seit letztem Herbst habe er noch keinem Spieler BVG-Beiträge abgezogen, weil «das Anmeldeprozedere noch nicht richtig klar» sei. Die Abwicklung der beruflichen Vorsorge sei im Gegensatz zu allen andern Versicherungen «sicher nicht ganz sauber gelaufen». So sei die BVG-Anmeldung vor vier Jahren verpasst worden. Jetzt liege es an ihm, alle Belege bis zurück ins Jahr 2000 aufzuarbeiten, was frustrierend sei. Eng: «Ich verdiene mein Geld mit der Kundschaft, nicht mit dem EHC Olten.» Ob Gelder an Löhnen abgezogen, aber nicht einbezahlt worden seien? Eng: «Keine Ahnung.»

Keine Antwort und Vertröstungen


Berge von Briefen mussten Rudolf von Rohr und seine Anwältin Veronika Eggler schreiben, bis der Exspieler von der Stiftung die persönlichen Ausweise erhielt. Der ehemalige Hockeyaner Reto Germann wartet nach eigenen Angaben noch immer auf seine BVG-Abrechnung, obschon der Arbeitgeber gesetzlich zur Aushändigung eines Vorsorgeausweises verpflichtet ist. Letzten Herbst schickte Germann eine Anfrage per eingeschriebenem Brief, die vom Clubsekretariat nicht beantwortet wurde; bei der Auffangeinrichtung der «Winterthur» wurde Germann schon mehrmals telefonisch vertröstet.

Vom Foulspiel mit der zweiten Säule an ihren bejubelten Spielern konnten die Fans im «Oltner Tagblatt» bisher nichts lesen. Das Lokalblatt ist Hauptsponsor des Eishockeyclubs.