Als Doris Hertner, 86, ihr Testament änderte und ihr Vermögen statt der sich in Geldnot befindenden Turmhof-Stiftung neu ihrer Tochter überschrieb, begannen Vertreter von Vormundschaft und Gemeinde eine regelrechte Jagd auf die Millionen der betagten Frau.

Das ging so weit, dass der örtliche Notar, Markus Donatsch, Doris Hertner ein vorformuliertes Papier unterzeichnen liess, mit dem sie sich selbst entmündigte. Damit habe die Vormundschaftsbehörde dafür sorgen wollen, dass die Ge­meinde an ihr Millionenvermögen kommt, ist Hertner überzeugt. «Ich bin glücklich und auch ein wenig stolz, dieser behördlichen Arroganz die Stirn geboten zu haben», so die kämpferische alte Dame.

Nachdem der Beobachter im November 2007 über die Vorgänge in Steckborn geschrieben hatte, wurde er von Stadt­ammann Thomas Baumgartner an der Gemeindeversammlung scharf kritisiert. Baumgartner ist – eine delikate Doppelfunktion – sowohl Präsident der Vormund­schaftsbehörde als auch der Stiftung Turmhof. «Die (vom Beobachter) erhobe­nen Anschuldigungen und Verunglimpfungen sind haltlos, ehrverletzend und entbehren jeglicher Grundlage», sagte ­Baumgartner laut Protokoll. Die Stadt­behörde nehme aber von einer Klage wegen übler Nachrede Abstand. Hier zumindest liess man Sachverstand walten. Die Klage hätte, wie spätestens jetzt feststeht, keine Chance gehabt.