Das Bundesgericht stösst mit einem neuen Urteil ein Türchen auf für Opfer von Pyramiden-Abzockern wie European Kings Club (EKC), PWM, ITE oder Pro Futura Invest: Wer solch windige Angebote vermittle, unterstelle sich «stillschweigend einem Auskunfts- und Beratungsvertrag». Gemäss den höchsten Richtern muss ein Vermittler seine Kunden über die Risiken einer Geldanlage aufklären. Tut er das nicht, macht er sich strafbar.

Der EKC drehte bis Mitte der neunziger Jahre rund 100’000 Kunden in 40 Ländern «Letters» an. Bei den im Schneeballsystem verkauften Anteilscheinen wurde eine Traumrendite von 70 Prozent pro Jahr versprochen. Zurück blieb ein finanzieller Flurschaden von mehreren hundert Millionen Franken. Während die führenden EKC-Mitglieder wegen Betrugs verurteilt wurden, kam das Gros der Vermittler ungeschoren davon.

Nun bestätigt das Bundesgericht einen Entscheid des Aargauer Obergerichts: Dieses verpflichtete einen EKC-Vermittler, dem Erben seines Opfers gut 11’000 Franken plus fünf Prozent Zins zu bezahlen sowie eine hinterlegte Lebensversicherungspolice herauszurücken. Der Schadenersatz wurde wegen Selbstverschuldens um 50 Prozent reduziert. Doch immerhin muss ein blauäugiger Anleger nicht seinen ganzen Einsatz abschreiben.

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