Maja Widler fiel aus allen Wolken, als sie die Unterlagen der Postfinance durchlas. Die Marketingleiterin der Tierschutzorganisation Vier Pfoten suchte nach neuen Möglichkeiten, wie auch Internetbenützer einfach und schnell spenden können. Und da drängte sich das Internet Payment System von Postfinance auf. Ein Link genügt, und der Spender wird vonder Webseite der Organisation auf eine gesicherte Seite von Yellowworld, dem Internetportal der Post, geleitet. Auf dieser kann der Spender per Post- oder Kreditkarte anonym oder mit Namensangabe einzahlen. Angesichts von zwei Millionen Postcard- und noch mehr Kreditkartenbesitzern eine attraktive Lösung.

Maja Widler ahnte, dass ein solches Angebot nicht günstig sein würde. Aber dass die Post neben einer fixen Gebühr von 50 Rappen auch noch bis zu zwei Prozent der Spende kassiert, war ihr zu viel: «Das kann ich gegenüber unseren Spenderinnen und Spendern nicht vertreten.» Lohnen würde sich das Angebot wahrscheinlich schon, so Widler, aber es stelle sich einfach die Frage der Verhältnismässigkeit: «Für eine Spende von 10 oder 10000 Franken hat die Post schliesslich denselben Aufwand.»

Ähnlich tönt es bei anderen Hilfswerken und Umweltorganisationen. «Die Prozentanteile sind absolut ungerechtfertigt», ärgert sich zum Beispiel Béatrice Lombard vom WWF. Der WWF wird in der nächsten Zeit Verhandlungen mit der Post aufnehmen. Ziel: Die Post soll keine Spendenprozente abzweigen, sondern genau wie bei den Einzahlungsscheinen einen festen Betrag pro Spende verlangen. Auch bei anderen Non-Profit-Organisationen findet man unisono: Zufrieden sei man mit diesem System nicht. Und trotzdem sei es das beste von verschiedenen Angeboten gewesen.

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Die Spender lässt man im Unklaren

Sollten aber Spenderinnen und Spender nicht wenigstens informiert werden, dass bei einer Internetspende bis zu zwei Prozent des Betrags an die Post gehen? Helvetas-Sprecher Fritz Brugger verneint. «Bei Spenden besteht häufig die Tendenz, strengere Massstäbe anzusetzen als in der sonstigen Wirtschaft.» Es sei auch falsch, bei Spenden immer genau anzugeben, was für welchen Zweck verwendet werde. «Wichtig ist einzig, dass möglichst viel von einer Spende effizient eingesetzt wird.»

Fairerweise muss gesagt werden, dass die Post für ihr Internet-Zahlungssystem bereits die Möglichkeit eines fixen Betrags pro Spende anbietet. Nur ist dieser Betrag mit vier Franken pro Transaktion für Non-Profit-Organisationen ein kleines Vermögen.

Gegenüber dem Beobachter weist die Post darauf hin, die Organisationen würden jeweils auf die zwei Zahlungsmöglichkeiten aufmerksam gemacht. «Das stimmt nicht», hält dem Tierschützerin Maja Widler entgegen. «Davon war bei meinem Gespräch mit dem Vertreter von Postfinance keine Rede.» Bei der Helvetas hingegen wusste man von der Option, vier Franken pro Spende anstelle der zwei Prozente zu bezahlen. «Der Betrag ist aber so unverschämt hoch, dass er keine Alternative ist», sagt Helvetas-Sprecher Fritz Brugger.

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Offen bleibt die Frage, wieso die Post Hilfswerken und ähnlichen Organisationen genau dieselben Preise verrechnet wie einer Grossbank. Dem Beobachter schrieb die Post dazu: «Auf ein Sonderpricing für karitative Organisationen wird verzichtet, um so Folgegesuchen mit klarer Begründung begegnen zu können.»

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