Hans-Jacob Heitz von der Schutzvereinigung der Swissair-Aktionäre hat sich dem Kampf verschrieben: «Die Verantwortlichen müssen zur Verantwortung gezogen werden», liess er sich in den letzten Tagen und Wochen in Bild, Ton und Schrift mehrfach verlauten. Die Verwaltungsräte Honegger, Mühlemann, Spoerry und Co. müssten mit ihrem persönlichen Vermögen für das Debakel bezahlen, betonte der streitbare Rechtsanwalt mehrfach. Der Beifall der Bevölkerung war ihm gewiss. Am Wochenende zeigte das Schweizer Fernsehen den Aktionärsanwalt bereits am Computer sitzend an seiner Klage schreiben.

Ein Hoffnungsschimmer für Tausende von Kleinanlegern hierzulande, war doch die Swissair-Aktie so etwas wie eine Volkspapier. Lanciert hat Heitz seine Schutzvereinigung, die laut eigenen Angaben rund 200'000 Aktionärsstimmen vereint, vor der Generalversammlung im April. Und das Ziel war klar: Die Schuldigen sollen zahlen. Als schliesslich am 2. Oktober die Swissair-Maschinen am Boden blieben, bekräftigte Heitz: jetzt erst recht.

Nur: Spätestens seit die beiden Grossbankenchefs Marcel Ospel und Lukas Mühlemann am Vorabend der Flottenstillegung bekannt gaben, dass die Swissair in den Nachlass geschickt werde, hätte Heitz einen Halt einschalten – und den Aktionären klaren Wein einschenken müssen. Denn: Sobald ein Unternehmen im Konkurs oder im Nachlass ist, können die Aktionäre gar keine Verantwortungsklage mehr einreichen. So will es das Gesetz. Dort steht, dass in diesem Fall allein der Sachwalter und später der Liquidator das Recht hat, eine Verantwortungsklage einzureichen. Dieser kann und muss darüber entscheiden, ob er eine solche Klage anstreben will und ob die Sonderprüfung weitergeführt wird oder nicht. Wenn der Liquidator sich gegen eine Klage entscheidet, kann er das Recht abtreten – an die Gläubiger. Ein wichtiger Unterschied: «Die Aktionäre sind im Gegensatz zu Obligationären keine Gläubiger», erklärt der Zürcher Wirtschaftsanwalt Michael Werder. «Die Stellung des Aktionärs im Konkurs ist im Gesetz leider nicht geregelt, obwohl der Aktionär Geld in die Firma investierte.»

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Im Klartext: Sobald der Nachlassvertrag genehmigt ist, kann Heitz gar keine Verantwortlichkeitsklage mehr einreichen. Bis es soweit ist, wäre es theoretisch zwar noch möglich, aber es macht keinen Sinn. Denn sobald der Nachlassvertrag genehmigt ist, oder der Konkurs läuft, würde die Klage sistiert. Die Kleinaktionäre hätten also nur noch mehr Geld und Zeit verschwendet. «Heitz war zwar auf dem richtigen Weg im Frühling. Doch seit das Nachlassverfahren bekannt ist, verrennt er sich, und jetzt findet er den Ausweg nicht mehr», sagt ein Liquidationsexperte.

Heitz selber will inzwischen nichts mehr sagen. Nachdem er dem Beobachter noch am Montag bestätigte, dass er mit Hochdruck an der Klage arbeite, verweigert er nun das Gespräch. Ein Angestelllter aus dem Büro Heitz: «Herr Heitz und die Vereinigung der Kleinaktionäre sagt in den nächsten zehn Tagen nichts mehr zum Thema.»

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