Die Profis hatten für 2016 ein ruppiges Börsenjahr voraus­gesagt. Es kam heftiger: Die Börsen sind nie zuvor so schlecht in ein neues Jahr gestartet. Ein paar Tage Anfang Januar reichten, um in vielen Depots schwere Verwüstungen zu ­hinterlassen.

Was folgte, kennt man aus früheren Krisen: Nebelpetarden, Beruhigungspillen, Bonmots. Banken und ihre Kommentatoren versuchen alles, um die Anleger mit Durchhalteparolen bei der Stange zu halten. Und schrecken vor keiner Plattitüde zurück: Die Börse sei keine Einbahnstrasse, Geduld die oberste Tugend des Investors, und Verluste seien erst realisiert, wenn man verkauft hat. Frei nach dem Motto: je übler die Stimmung, desto grös­ser die Sehnsucht nach klugen Sprüchen.

So erhält man dann Sätze wie denjenigen des britischen Nationalökonomen David Ricardo serviert: «Ich habe mein Geld dank der Beobachtung ­gemacht, dass die Menschen im All­gemeinen die Bedeutung kurzfristiger Ereignisse überschätzen.» Der Spruch passt perfekt für Paniksituationen. Es gibt da aber ein Problem: Ricardo hat sein Geld im 18. Jahrhundert gemacht. Was für ihn galt, kann in der jetzigen Situation grundfalsch sein.

Sicher ist: Wer im Januar wegen seiner Verluste nicht mehr ruhig schlafen konnte, muss sich dringend überlegen, ob er an der Börse richtig ist. Denn an der Börse zu handeln ist definitiv nichts für Angsthasen.

Sechs Tipps für Anleger in schwierigen Zeiten

  1. Ruhig bleiben.

    Wer in Panik gerät und verkauft, macht alles nur noch schlimmer. Selbst nach Jahrhundertcrashs haben sich die Märkte jeweils erholt. Deshalb: Bewahren Sie gerade in heissen Börsenzeiten einen kühlen Kopf!

  2. Nicht in blinden Pessimismus verfallen.

    Lassen Sie sich von Hiobsbotschaften nicht herunterziehen. Für alle, die gerade ein paar Tausender verloren haben, mag es zynisch klingen, aber: Zwingen Sie sich, nicht ständig auf die Börsenkurse zu schauen. Das macht höchstens nervös.

  3. Die Strategie nicht kurzfristig über Bord werfen.

    Die Strategie überprüfen heisst nicht, sich die einzelnen Titel seines Depots anzuschauen und die faulen Eier auszusortieren. Wie gut ein Depot ist, hängt vor allem davon ab, wie das Vermögen auf die unterschiedlichen Anlageklassen aufgeteilt ist. Sich breit zu diversifizieren ist eine der besten Möglichkeiten, sich vor scharfen Kursverlusten zu schützen. Sicherer ist auch, in ETFs (Exchange-traded Funds; börsengehandelte Fonds) auf ganze Indizes zu setzen, statt mit Einzeltiteln zu spekulieren.

  4. Das perfekte Timing gibt es nicht.

    Wer glaubt, er könne auf dem Tiefpunkt kaufen und zu Höchstkursen verkaufen, irrt. Das schaffen auch die besten Profis nicht. Zudem ändert sich die Stimmung an den Märkten in unsicheren Zeiten besonders rasch. So schnell die Kurse am einen Tag in den Keller stürzen, so rasch können sie am nächsten Tag hochschiessen. Längerfristig besser ist es, antizyklisch zu handeln: in Krisen zukaufen, in Haussen eher verkaufen.

  5. Auf Gebühren achten.

    Statt auf sein Timing zu hoffen, setzt man besser auf tiefe Gebühren. Das bringt längerfristig mehr. Es beginnt bei der Wahl der Bank – achten Sie auf Kauf- und Verkaufsgebühren sowie Depotkosten. Wichtig ist auch die Wahl der Wertpapiere: Die wenigsten Kosten verursachen ETFs, die höchsten strukturierte Produkte und Spezialfonds. Am teuersten wird es, wenn Sie ständig kaufen und verkaufen. Das verursacht vor allem Spesen.

  6. Verlustlimits setzen.

    Gefühle lässt man beim Anlegen besser aussen vor. Vor grossen Verlusten schützt man sich, indem man konsequent Schutzstrategien verfolgt. Eine der wirksamsten ist: Limits setzen. Direkt nach dem Kauf entscheidet man, ab welchem Kurs man das entsprechende Papier abstösst. Bewährt hat sich die Zehn-Prozent-Regel: verkaufen, sobald der Verlust zehn Prozent übersteigt. Diese Strategie funktioniert aber nur, wenn man dann auch wirklich verkauft.