Beobachter: Im Zentrum der Beobachter-Kritik standen Ihre so genannten Realwertbeteiligungen. Welches Ziel verfolgten Sie mit diesem Anlageprodukt?
Thomas Chistee: Imperial will dem Kleinanleger eine Anlagerendite bieten, wie sie sonst nur Grossanlegern möglich ist. Zu diesem Zweck haben wir die Realwertbeteiligung konzipiert, bei der alle Anleger zusammen das Gewicht eines Grossanlegers und auch dessen Renditehöhe erreichen.

Beobachter: Ihre Anleger gehen mit diesen Realwertbeteiligungen aber eine sehr lange Bindung ein.
Chistee:
Das ist unausweichlich, wenn man mit Kleinsparbeträgen diese Rendite erreichen will. Die Realwertbeteiligung macht Sinn bei einer Anlagedauer von rund 20 Jahren. Wir wollen damit gar keine Kurzfristsparer ansprechen; für sie gibts das Banksparkonto mit jederzeitiger Verfügbarkeit, dafür aber kleinerer Rendite.

Beobachter: Und was geschieht, wenn sich die finanzielle Lage eines Anlegers während der langen Vertragsdauer plötzlich verschlechtert?
Chistee:
Zum einen betragen die durchschnittlichen Sparplaneinzahlungen nur etwa 140 Franken pro Monat, so dass es eine massive finanzielle Verschlechterung braucht, damit die Aufrechterhaltung der Anlage zum Problem wird. Zum andern bietet Imperial in wirklichen Härtefällen, wie etwa Arbeitslosigkeit oder Invalidität, die Möglichkeit zu einer ausserordentlichen vorzeitigen Vertragsauflösung.

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Beobachter: In unserer Beratung zeigte sich: Manche Anleger verstehen die komplizierten Vertragsbestimmungen des Sparplans gar nicht.
Chistee:
Gegenfrage: Versteht der durchschnittliche Versicherungsnehmer die Versicherungsbedingungen seiner Lebens- oder Haushaltversicherung? Oder der durchschnittliche Bankkunde die Geschäftsbedingungen seiner Bank? Unsere komplexen Vertragsbestimmungen ergeben sich unausweichlich aus der komplexen Anlagestruktur. Eine solche ist notwendig, um mit monatlichen Kleinsparer-Einzahlungen Grossanleger-Renditen zu ermöglichen.

Beobachter: Die Eidgenössische Bankenkommission hat den Vertrieb der Realwertbeteiligung in der Schweiz verboten. Warum?
Chistee:
Das neue schweizerische Anlagefondsgesetz verlangt eine Vertriebsbewilligung nicht mehr nur für eigentliche Fondsanteile, sondern auch für fondsähnliche Produkte. Die Bankenkommission stufte die Realwertbeteiligung als fondsähnlich ein, konnte aber die Vertriebsbewilligung nicht erteilen, weil dafür eine Unterstellung unter die österreichische Fondsaufsicht nötig wäre. Dies wiederum ist nicht möglich, weil das österreichische Recht die Realwertbeteiligung als direkte Unternehmensbeteiligung und daher als nichtfondsähnlich einstuft.

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Beobachter: Gegen diesen Entscheid der Bankenkommission sind Sie ans Bundesgericht gelangt – ohne Erfolg.
Chistee:
Stimmt, das Bundesgericht entschied gleich wie die Bankenkommission. Mit dem Produkt Realwertbeteiligung hat das nichts zu tun.

Beobachter: Wie bitte?
Chistee:
Das Vertriebsverbot der Bankenkommission und damit auch das Bundesgerichtsurteil sind keine Negativbeurteilung des Anlageprodukts Realwertbeteiligung, sondern nur die formelle Folge der unterschiedlichen schweizerischen und österreichischen Rechtslage. Deshalb hat uns die Bankenkommission während der ganzen Verfahrensdauer den Vertrieb ja ausdrücklich gestattet.

Beobachter: Was sagen Sie zur Kritik des Beobachters, dass die Einstiegskosten der Realwertbeteiligung, die so genannte Aufnahmegebühr, zu hoch sei?
Chistee:
Als absolute Zahl sind die 19,95 Prozent sicher nicht klein. Aber auf eine 20-jährige Anlagedauer umgelegt, ist das knapp ein Prozent pro Jahr. Das unterbietet die üblichen Vermögensverwaltungskosten von Banken oder Anlagefonds-Sparplänen, die bei Kleinsparbeträgen wegen der Mindestspesen leicht vier bis sechs Prozent ausmachen.

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Beobachter: Der Beobachter kritisierte auch, Imperial habe beim Vertrieb der Realwertbeteiligung überhöhte Renditeversprechungen abgegeben.
Chistee:
Zugesagt wurde nur die vertraglich festgelegte Sechs-Prozent-Ausschüttung auf den Nominalbetrag der jeweils zugeteilten Anteile. Weitere Renditeaussichten wurden bloss als Prognosen und bezogen auf eine plangemässe 20-jährige Anlagedauer genannt. Solche Prognosen nennen auch namhafte Schweizer Anlageanbieter.

Beobachter: Was hat Imperial bewogen, den in der Interessengemeinschaft zusammengeschlossenen Anlegern nun doch ihre Anteile vorzeitig zurückzubezahlen?
Chistee:
Als Teil des Vergleichsabschlusses mit dem Beobachter kommen wir diesen Anlegern ohne Präjudiz entgegen, obwohl wir ein Rechtsgutachten eingeholt haben, wonach wir an den gültigen Verträgen festhalten können. Bei jedem Vergleich trifft man sich in einem Kompromiss, und wenn wir in grosszügiger Anwendung der Härtefallpraxis helfen können, ist das gut so.

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Beobachter: Was wird zurückbezahlt, und wer profitiert von dieser Regelung?
Chistee:
Bei der Rückzahlung verzichten wir auf die Verrechnung der vertraglich geschuldeten, aber nach Anlagelaufzeit noch nicht fällig gewordenen Aufnahmegebühranteile. Der Vergleich betrifft nur die Mitglieder der Interessengemeinschaft und lässt alle anderen, also die grosse Mehrheit der Anleger, unberührt. Diese sind gemäss unserer Umfrage ja auch mit Imperial voll zufrieden.