1. Home
  2. Geld
  3. Investment in Fair-Trade und Ökologie: Gewissen statt Gier

Investment in Fair-Trade und ÖkologieGewissen statt Gier

Direktinvestitionen in ökologische oder Fairtrade-Projekte werden selten mit hohen Renditen belohnt. Dafür weiss man, dass man mit dem Ersparten eine gute Sache unterstützt.

Mandelblüten: Gerade auch durch den erfolgreichen Schweizer Dokumentarfilm «More Than Honey» stieg in der Schweiz die Nachfrage nach fair und ökologisch produzierten Mandeln.

Von

Für einen Investmentbanker wäre das gewiss nichts: eine Anlage, die einen Zins von einem Viertelprozent abwirft. Wer 1000 Franken anlegt, kann nach einem Jahr von den Erträgen also nicht mal einen Kaffee trinken gehen. Doch der Mehrwert für diejenigen, die ihr Geld in nachhaltige Projekte investieren, bemisst sich weniger in finanzieller als in ethischer Rendite. Die Anleger stecken ihr Geld in etwas, was sie für sinnvoll halten.

In einer Rösterei im Berner Mittelland kann man das riechen. Hier lässt das Zürcher Fairtrade-Handelshaus Pakka in einem traditionellen Verfahren mit viel Handarbeit fair gehandelte Nüsse aus Indien, Palästina oder Kenia rösten, würzen und salzen.

«Ohne die zinsverbilligten Darlehen wäre der Aufbau unseres Fairtrade-Geschäfts mit den anspruchsvollen Verarbeitungsschritten kaum möglich gewesen», räumt Simone Sidler ein, die Finanzchefin des jungen Unternehmens. «Allein um die Vorauszahlungen an die Bauern leisten zu können, sind wir auf das Kapital an­gewiesen.» Der Förderkredit stammt von der ­Alternativen Bank Schweiz (ABS) aus Olten, die damit Gelder von Anlegern weiterreicht.

Investoren zeichnen bei der ABS Förder­obligationen über einen Betrag ab 1000 Franken und legen den Zinssatz, den sie für ihr Geld wollen, selbst fest. Aktuell darf er laut ABS 0,25 Prozent nicht überschreiten. Ausserdem definieren die An­leger, in welches von acht Geschäftsfeldern Kapital investiert werden soll. Das Spektrum reicht von der regenerativen Energieerzeugung über den Biolandbau bis zu sozialen Einrichtungen. Das Unternehmen kann der Anleger nicht bestimmen. «Da wir das Kreditrisiko tragen, muss die Entscheidung, wer die Kredite konkret erhält, bei uns liegen», sagt Walter Nägeli, Leiter der ABS-Anlageberatung.

Risikofreude und soziales Engagement

Wenn der Anleger bereit ist, das vollständige Verlustrisiko zu tragen, geht es auch direkter. Die ABS vermittelt Direktinvesti­tionen, etwa in das Zürcher Frauenhaus, in eine Biokakao-Plantage in der Dominikanischen Republik oder in Solarkraftwerke in Südfrankreich. Die Bank bietet dafür sogenannte Treuhanddarlehen an und fungiert lediglich als Kreditvermittlerin. Das Geld kommt allein vom Anleger. Die Bank prüft diese Kreditfälle genau so, wie wenn sie das Geld selbst ausleihen würde. Sollten die geförderten Firmen oder Organisationen scheitern und pleitegehen, wäre das Kapital des Investors perdu.

Im Vergleich zu «normalen» Geldanlagen wird dieses Risiko mit einer finanziel­len Rendite von 2,5 bis 4,5 Prozent zwar kaum angemessen abgegolten. Doch die Kunden nehmen die materiellen Abstriche bewusst in Kauf. «Spekulation und Gewinnmaximierung haben bei uns keinen Platz. Es geht um die sinnvolle Finanzierung nachhaltiger Projekte», sagt Nägeli.

Viele dieser Projekte wären nie verwirklicht worden ohne die Menschen, die bereitwillig auf finanzielle Erträge verzichten und höhere Risiken in Kauf nehmen. «Wenn wir wie typische Firmen kalkulieren würden, gäbe es in der Schweiz manch regeneratives Kraftwerk weniger», sagt And­reas Appenzeller, Geschäftsleiter der Energiegenossenschaft ADEV aus Liestal BL. «Unsere Vorhaben müssen sich zwar unter dem Strich rechnen.» Doch zwei bis drei Prozent Gewinn seien für die ADEV genug. Die meisten Finanzinvestoren gäben sich damit nicht zufrieden.

Doch die Genossen haben rund 2000 Kleinaktionäre und Teilhaber dazu gebracht, in mehr als 75 Ökostromkraftwerke in der Schweiz, im Elsass und in Süddeutschland zu investieren. Die ADEV bietet diverse Geldanlagevarianten an. Für je 500 Franken gibt es Anteile an der Liestaler Genossenschaft zu kaufen, die jährlich mit bis zu 2,5 Prozent verzinst werden. Zudem schütten die Genossen an Personen, die ihnen Darlehen gewähren, je nach Laufzeit bis zu 2,75 Prozent jährliche Zinsen aus.

Wer bei der von Andreas Appenzeller ausgerufenen «Energiewende mit Bürgerbeteiligung» direkt mitwirken will, dem stehen prinzipiell die vier von der ADEV gegründeten Aktiengesellschaften offen, von denen je eine Solar-, Wind-, Wasser- und ökologische Wärmekraftwerke baut und betreibt. Doch derzeit sind die Türen für Anleger geschlossen. Sie können sich nur dann beteiligen, wenn die Ökofirmen im Rahmen einer Kapitalerhöhung neue Aktien ausgeben, was jedoch selten passiert. Dieses Kapital fliesst dann direkt den Unternehmen zu, die damit neue Ökostromkraftwerke bauen. Dafür erhalten die Aktio­näre eine Dividende von 1 bis 2,5 Prozent.

Spezialfonds hilft Kooperativen

Das ist im aktuellen Niedrigzinsumfeld keinesfalls nur etwas für barmherzige Samariter. Auf Kurssteigerungen wie bei Aktien börsennotierter Firmen können sie ­allerdings kaum hoffen. Denn die Papiere werden nur an einer kleinen Nebenbörse in Bern gehandelt.

Auch bei Spezialfonds wie denen der bankenunabhängigen Zürcher Vermögens­verwaltung Responsability geht es nicht um Börsengewinne. Statt in Aktien oder Rentenpapiere wie klassische Fonds inves­tiert sie direkt in die lokale Wirtschaft in Entwicklungs- und Schwellenländern. So können sich Anleger ab 100 Franken etwa an einem Fairtrade-Fonds beteiligen, dessen Geld in landwirtschaftliche Kooperativen fliesst, die nach den Kriterien des fairen Handels und meistens auch des biologischen Landbaus arbeiten.

Auch wenn die Finanzierung einer ­bestimmten Kooperative nicht möglich ist, kann der Investor dank regelmässiger Berichterstattung nachvollziehen, was mit seinem Geld geschieht. «Die Idee entstand während einer Reise mit dem Fahrrad von Zürich nach Kapstadt», sagt Responsa­bility-Gründer Klaus Tischhauser. Dem eins­tigen CS-Banker boten die 600 Tage in Afrika einen «Blick auf die Bedürfnisse der Menschen». Seiner Ansicht nach zählt dazu der Zugang zu Kapital. «Sonst funktioniert nachhaltige Entwicklung nicht.» Heute arbeitet der Fairtrade-Fonds von Res­ponsability mit 25 Kooperativen vorwiegend in Lateinamerika zusammen. Die dort angeschlossenen rund 120'000 Bauern produzieren Kaffee, Kakao, Sesam und Zucker, zumeist biozertifiziert.

«Ohne das Fondskapital würden die Bauern ihre Produkte für weniger Erlös an Grosskonzerne verkaufen», sagt Tischhauser. Zudem trügen sonst viele kaum das Bio­siegel. 2012 warf der Fonds auf Schweizer Franken eine Rendite von 2,2 Prozent ab. Langfristig schwebt Tischhauser eine Jahresverzinsung von drei Prozent vor.

Die Freude am realen Produkt

Viele Möglichkeiten des Direktinvestments in diese Art von Projekten gibt es hierzulande allerdings nicht. Das Gesamtvolumen dürfte kaum den dreistelligen Millionenbereich erreichen und liegt damit deutlich unter dem Milliarden­niveau für klassische nachhaltige Geldanlagen an der Börse.

Doch wirklich vergleichen lassen sich die zwei Bereiche sowieso nicht. Denn nur bei Direktinves­titionen erhalten Anleger für ihr Geld etwas Sinnvolles, Persönliches, quasi zum Anfassen, zurück. Etwas, was manchmal sogar einen angenehmen Duft verströmt.

Veröffentlicht am 03. Mai 2013