Das Debakel rund um Pensionskassen und sinkende Renten verunsichert viele Hausbesitzer. Wäre es nicht klüger, das Pensionskassengeld vorzubeziehen und in sichere Liegenschaften zu investieren? Seit 1995 lässt das Gesetz dies für selbst genutztes Wohneigentum oder zur Amortisation von Hypotheken zu. Im letzten Jahr zahlten die Pensionskassen dafür über zwei Milliarden Franken an Eigenheimbesitzer aus. Eine Pflicht zur Rückzahlung gibt es nicht – es sei denn, das Haus wird später verkauft oder nicht mehr selbst bewohnt.

Ob das Kapital besser in der Pensionskasse oder im Eigenheim angelegt ist, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Als Erstes ist die individuelle Vorsorgesituation zu prüfen: Ein Barbezug von Pensionskassengeld hat tiefere Rentenleistungen bei Tod und Invalidität zur Folge. Ausserdem schrumpft das in der Pensionskasse gesparte Alterskapital.

Vor allem Versicherte mit Familie müssen sich diesen Schritt daher sehr sorgfältig überlegen. Die entstehende Vorsorgelücke sollte mit einer privaten Zusatzversicherung geschlossen werden – auch wenn dies mit Kosten verbunden ist.

Thomas Hohl, Geschäftsleiter der Migros-Pensionskasse, steht Vorbezügen kritisch gegenüber: «Wegen der Leistungskürzungen empfehlen wir unseren Versicherten, Geld zu verpfänden statt vorzubeziehen.» Verpfändetes Pensionskassengeld akzeptieren die Banken als zusätzliche Sicherheit und gewähren daher in grösserem Umfang Hypotheken. Auch dies kann den Erwerb eines Eigenheims erleichtern.

Anzeige

Kleinere Hypothek, höhere Steuern

Ein weiteres Entscheidungskriterium ist die steuerliche Belastung: Wer Hypotheken amortisiert, erhöht seine Steuern, da er weniger Abzüge geltend machen kann. Bei einem höheren Einkommen ist die Abzahlung von Schulden daher nicht lohnend. Für Haushalte mit einem tiefen Einkommen sind solche Steuertricks allerdings kein Thema: Sie fahren besser, wenn sie ihre Schulden so tief wie möglich halten.

Auch die momentane finanzielle Situation ist zu beachten: Wer arbeitslos ist oder sich aus anderen Gründen in einem finanziellen Engpass befindet, kann sein Budget mit einem Abbau von Hypothekarschulden entlasten.

Auch wer kurz vor dem Ruhestand steht und eine immer noch bis unters Dach verschuldete Liegenschaft bewohnt, muss als Erstes an den Abbau von Schulden denken, um sein Eigenheim sorgenfrei geniessen zu können.

Anzeige

Schliesslich müssen sich Hypothekarschuldner fragen, ob sie gemessen an den Erträgen in der Pensionskasse – oder auch den anderer Geldanlagen – nicht zu viel Hypozinsen zahlen. Wer zum Beispiel vier Prozent Schuldzins aufbringt und auf Kapitalanlagen nur zwei oder drei Prozent erwirtschaftet, sollte Schulden abbauen.

Wer nach reiflicher Überlegung Pensionskassengeld beziehen will, hat einige Hürden zu überwinden. Der Bundesrat hat auf den 1. Juli eine Verordnungsänderung in Kraft gesetzt, die die Fristen für Barauszahlungen erstreckt: Früher konnte sich eine Pensionskasse maximal sechs Monate Zeit nehmen – neu ist für Kassen mit Unterdeckung eine Erstreckung von bis zu einem Jahr und bei «erheblicher Unterdeckung» sogar noch länger statthaft.

Noch bevor Hauskäufer ihre Unterschrift unter Reservationsverträge setzen oder Hypotheken kündigen, sollten sie daher nach den Auszahlungsfristen ihrer Pensionskasse fragen.

Anzeige