Beobachter: Herr Paschoud, wären Sie gern ein reicher Ausländer mit Wohnsitz in der Schweiz?

Jean-Blaise Paschoud: Warum nicht das tönt sehr angenehm.

Beobachter: Vor allem, weil Sie kaum mehr als ein Trinkgeld versteuern müssten nur Ihren Lebensaufwand in der Schweiz.

Paschoud: Halt, so einfach ist die Sache nicht. Es gibt klare Richtlinien, für wen die Steuer nach Aufwand angewandt werden kann. Die Personen müssen zuerst von der Fremdenpolizei zugelassen werden, und sie dürfen in der Schweiz nicht erwerbstätig sein. Ausserdem gibt es mit vielen Staaten Doppelbesteuerungsabkommen. So bleiben zum Beispiel Deutsche in ihrer Heimat eine Zeit lang steuerpflichtig, auch wenn sie das Land verlassen.

Beobachter: Warum gibt es Seminare, bei denen Deutsche mit dem Hinweis auf das vorteilhafte Aufwand-Steuermodell in die Schweiz gelockt werden?

Paschoud: Die Schweiz ist attraktiv, weil die Steuerquote im internationalen Vergleich generell tief ist. Ausländer, die in der Schweiz Wohnsitz nehmen, können zwischen der normalen und der Aufwand-besteuerung wählen. Und vielleicht ist das Modell nach Aufwand für manche in der Tat die günstigere Variante.

Beobachter: Offenbar, denn diese Gruppe mit vielen Prominenten und Reichen versteuert relativ wenig. Laut Statistik beträgt ihr steuerbares Einkommen im Schnitt nur 220000 Franken und die direkte Bundessteuer gerade mal 18000 Franken. Verkauft sich die Schweiz nicht viel zu billig?

Paschoud: Nein, das glaube ich nicht. Erstens dürfen Sie die viel höheren Kantons- und Gemeindesteuern nicht vergessen. Und zweitens ist die Gruppe der Ausländer überhaupt nicht homogen.

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Beobachter: Was heisst das?

Paschoud: Extreme Einzelfälle von sehr reichen Personen verfälschen das Bild. Im Kanton Zug zum Beispiel kommen die 20 Aufwandbesteuerten im Schnitt auf 1,6 Millionen Franken steuerbares Einkommen. Das sind sehr gute Steuerzahler. Im Kanton Waadt liegt der Schnitt für 1200 Personen aber nur bei 174000 Franken. Das heisst: Hier gibt es sehr viele nicht so reiche Ausländer, die einfach ihren Lebensabend in einer wunderschönen Gegend verbringen wollen.

Beobachter: Kann es nicht auch heissen, dass diese Leute von zu tiefen Steuern profitieren?

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