«Konto auf!», befiehlt die Post ihrem jugendlichen Zielpublikum – 150000 Jugendliche haben bis anhin gehorcht. Allzu schwer dürfte ihnen der Schritt nicht gefallen sein, denn die Post bezahlte im Fall einer Kontoeröffnung die Hälfte an einen DVD-Spieler. Wer sein Geld lieber auf einem Jugendkonto der Zürcher Kantonalbank anlegt, bekommt den Nachtzuschlag für die Heimfahrt im Zürcher Verkehrsverbund geschenkt.

Mit allen Mitteln versuchen Banken und Post, Jugendliche an sich zu binden (siehe Nebenartikel «Vergleich: CDs oder Kinotickets halb gratis – das haben Jugendkonti zu bieten») – ganz nach dem Motto: Zufriedene Jugendkunden werden später zu zufriedenen erwachsenen Kunden. Viele Jugendliche hätten zwar seit ihrer Geburt bei einer Bank ein Sparbuch, doch ausgewählt worden sei das Institut von den Eltern, begründet Urs Ackermann von der Zürcher Kantonalbank die offensiven Bewerbungsmassnahmen. «Die Jugendlichen sollen realisieren, dass sich ihre Bank auch um sie kümmert.»

Nicht zufällig ist die Abwanderungsquote bei den 17- bis 22-Jährigen am höchsten: Mit dem ersten Lohn wählen die Jugendlichen oft auch die Bank, der sie in Zukunft ihr Geld anvertrauen wollen.

Während die Zürcher Kantonalbank mit einer breiten Palette von Vergünstigungen junge Kunden gewinnen will, setzen Migrosbank oder Raiffeisenbanken auf einen hohen Zins. Der Verband der Raiffeisenbanken empfiehlt seinen Geschäftsstellen einen Zins von 13⁄4 Prozent – ein ganzes Prozent mehr als die ZKB.

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Zins wichtigstes Kriterium

Diese Strategie könnte sich für die Raiffeisenbanken rechnen, denn in einer Marktforschungsstudie hat die Basler Kantonalbank herausgefunden, dass der Zinssatz für viele Jugendliche entscheidend ist. Dies, obwohl auf einem Jugendkonto der Basler Kantonalbank im Schnitt nur knapp 3500 Franken liegen. Ein Zinsunterschied von einem Prozent macht da jährlich gerade einmal 35 Franken aus.

Stärker als der Zinsunterschied fällt jedoch die Altersbegrenzung ins Gewicht. Nicht alle Jugendlichen müssen mit 20 auf die Vorzugskonditionen verzichten. Bei der Migrosbank, der Basler und der Zürcher Kantonalbank können auch über 20-Jährige noch von einem Vorzugszins profitieren. Zudem führen die meisten Banken spezielle Ausbildungskonti für Leute, die nach 20 noch in der Ausbildung stecken.

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Zur Sonderbehandlung bei Jugendkonti gehört auch, dass keine der verglichenen Banken eine Grundgebühr verlangt. Doch nicht überall sind auch die Zusatzangebote gratis. So kosten etwa bei UBS und Credit Suisse 100 Einzahlungsscheine auf den eigenen Namen 20 Franken. Die Migrosbank verlangt für jeden schriftlichen Zahlungsauftrag 20 Rappen. Die Coop-Bank kassiert erst ganz am Schluss: Wer sein Konto wieder auflösen will, zahlt eine Gebühr von zehn Franken.

Schuldenfalle Kreditkarte

Wer älter als 18 ist, erhält bei mehreren Banken nicht nur gratis eine EC-Karte, sondern auch eine Kreditkarte. Ein heikles Angebot, denn «fast immer ist eine Kreditkarte im Spiel, wenn sich jemand verschuldet hat», sagt Ursina Kasper Hartmann, Budgetberaterin bei der Zürcher Frauenzentrale.

Jürg Gschwend, Präsident des Dachverbands Schuldenberatung, hat die Erfahrung gemacht, dass viele Eltern alles daransetzen, nach aussen das Gesicht zu wahren. So bezahlten Eltern die Handyrechnungen ihrer Kinder, um sie vor dem Makel einer Betreibung zu bewahren.

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Ernst wird es nach dem Auszug aus dem Elternhaus. Sobald die Jugendlichen auf eigenen Beinen stünden, so Gschwend, «sind sie häufig überfordert». Dann heisst es, selber Miete zahlen, eigene Möbel anschaffen und ein Auto kaufen – plötzlich reicht das Geld nicht mehr. Bis verschuldete Jugendliche schliesslich bei einer Beratungsstelle landeten, seien sie meist schon 25 und hätten oft 30000 Franken und mehr Schulden angehäuft.

«Schulden sind bei Jugendlichen ein grösseres Tabuthema als Sex», sagt Reno Sami von der Budget- und Schuldenberatung Plusminus in Basel. Sami schätzt, dass rund ein Drittel der Jugendlichen verschuldet sind. In einer Umfrage der Universität Oldenburg erklärten zwei Drittel der 16-Jährigen, dass sie keine Hemmungen hätten, einen Kredit aufzunehmen. Und über ein Viertel ist nicht bereit, etwas nur deshalb nicht zu kaufen, weil gerade das nötige Kleingeld fehlt.

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Meistens könnten die Jugendlichen ihre finanzielle Situation schlicht nicht einschätzen, sagt Sami. Viele erstellten weder ein Budget, noch überblickten sie ihre Finanzen. Es sei nicht damit getan, den jungen Kundinnen und Kunden Kreditkarten abzugeben, kritisiert der Schuldenberater. «Die Banken sollen den Jugendlichen nicht nur das Mittel in die Hand geben, um zu konsumieren, sondern auch Hilfe im Umgang damit bieten.»

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Weitere Infos

Wer vor der Lehre, dem ersten Lohn und dem Auszug aus dem Elternhaus ein Budget erstellt, vermeidet böse Überraschungen. Ein Budgetformular und Adressen von Beratungsstellen findet man unter www.asb-budget.ch

Informationen rund ums Thema Schulden: www.schulden.ch

Detaillierte Spesenvergleiche von Jugendkonti: www.comparis.ch