Voraussichtlich ab Anfang Juli erhalten die Krankenkassen bei Psychotherapien mehr Macht: Die Meldepflicht soll verschärft werden - doch Ärzte und Therapeuten wehren sich. Das Departement von Pascal Couchepin will, dass Psychotherapien, die mehr als zehn Konsultationen dauern - die meisten -, nach der achten dem Vertrauensarzt der Krankenkasse gemeldet werden. Und dieser entscheidet, ob die Therapie weitergeführt werden darf. Heute muss diese Meldung erst nach 60 Konsultationen erfolgen.

Patientinnen und Patienten droht durch diese Massnahme vermehrt ein vorzeitiger Abbruch der Behandlung. Deshalb fordert die Schweizerische Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie (SGPP) zusammen mit der Ärzteverbindung FMH eine Rekursinstanz mit Vertretern der Fachärzte und der Kassen. «Ruft ein Patient diese Instanz an, müsste er in der Zwischenzeit seine Behandlung fortsetzen können», sagt SGPP-Präsident Hans Kurt. Wenn heute Patienten die Fortsetzung der Behandlung verweigert werde, bleibe nur der Gang zum Versicherungsgericht. Das ist abschreckend und kann lange dauern.

Wenig Vertrauen in Vertrauensärzte«Die Kassen haben zu wenig psychiatrisch ausgebildete Vertrauensärzte», kritisiert Kurt. Ins gleiche Horn stösst FMH-Präsident Jacques de Haller: «Theoretisch könnte dann ein Chirurg darüber entscheiden, ob jemand eine Psychotherapie braucht.» Und Willy A. Stoller, praktizierender Psychiater in Bern, sagt: «Stellen Sie sich vor, Psychiater würden als Vertrauensärzte entscheiden, ob eine umstrittene Operation durchgeführt werden darf oder nicht.»