Andrea Rüfenacht (Name geändert) macht gerade einen Zwischenhalt auf ihrer Krankenkassen-Odyssee. Als die Betrügereien in der Winterthurer KBV letztes Jahr ruchbar wurden, holte sie Offerten anderer Anbieter ein. Während sie die Grundversicherung zur Swica zügeln konnte, gabs bei der Zusatzversicherung Probleme: Am letztmöglichen Termin lehnte Swica die Aufnahme ab; Rüfenacht musste bei der KBV bleiben.

Neu eine doppelt so hohe Prämie
Im April sah sich die 37-jährige Mutter dann mit einem Übernahmeangebot der Helsana konfrontiert: 56 Franken, genau doppelt so viel wie bisher, sollte sie ab 1. Juli jeden Monat an die grösste Schweizer Krankenkasse überweisen. «Ich sitze in der Falle und muss die neue Prämie wohl oder übel akzeptieren», fürchtete Rüfenacht.

Sie ist nicht die Einzige, die deutlich mehr zahlen soll. 60'000 KBV-Kunden sind zusatzversichert. Eine Anfrage bei der KBV-Agentur Zürich bestätigt, dass viele mit happigen Aufschlägen konfrontiert waren. Und dies, obschon die Helsana-Verantwortlichen und KBV-Präsident Alphons Hadermann gegenüber der Presse versprochen hatten, dass die Zusatzversicherten zu denselben Konditionen von Helsana übernommen würden. Das sei «mit ausschlaggebend für den Deal gewesen», so Hadermann. Pikantes Detail: Die marode Krankenkasse liess sich damals vom PR-Fachmann Klaus Stöhlker beraten – für ein Honorar von mehr als 150'000 Franken.

Die Prämienhöhe spiele bei der Übernahme eben keine Rolle, heisst es beim Bundesamt für Gesundheit (BAG), das die Kassen beaufsichtigt. «Wir wollten nur sicherstellen, dass die KBV-Versicherten ohne Gesundheitsbefragung und Altersbeschränkung unterkommen», sagt Abteilungsleiter Daniel Widmer. Überdies verlangten die Behörden, dass Helsana einen «mindestens gleichwertigen Leistungsumfang» biete.

Genau hier liegt die Crux: Weil die Leistungspakete der zwei Gesellschaften nicht identisch sind, benötigt es tendenziell mehr Helsana-Produkte, um den KBV-Schutz zu gewährleisten. Im Fall Rüfenacht, betont Helsana-Sprecher Christian Beusch, «bieten wir doppelt so gute Leistungen wie die KBV». Pech für Frau Rüfenacht; sie hatte diese ja gar nicht bestellt.

Zähe Verhandlungen führten zum Erfolg
Im Gegensatz zur Helsana übernimmt die CSS die 6000 Zusatzversicherten der Accorda per 1. Juli ohne Prämienanpassungen. «Wir verschicken in diesen Tagen die neuen Policen. Sie sind so gestaltet, dass unsere Produkte zum gleichen Preis angeboten werden», sagt CSS-Sprecher Stephan Michel. Rund 12000 Mitglieder treten gezwungenermassen aus der kranken Accorda im freiburgischen Givisiez aus, der die Behörden die Betriebsbewilligung entzogen haben. «Es wird auch auf den 1. Januar 2005 kaum spezielle Erhöhungen bei den ehemaligen Accorda-Mitgliedern geben, denn wir haben ausgerechnet, dass ihre Prämien kostendeckend sind», legt sich der CSS-Sprecher fest.

Unerfreulicher ist die Situation für die 6000 Accorda-Mitglieder im Kanton Genf: Dort kostet die Grundversicherung der CSS durchschnittlich 600 Franken mehr im Jahr. Immerhin sind sie frei, eine andere, günstigere Alternative zu suchen.

Schliesslich hat auch Andrea Rüfenacht eine passable Lösung gefunden: In zähen Verhandlungen mit der Helsana reduzierte sie das Zusatzpaket aufs Nötigste. «Nun zahlen wir sogar etwas weniger als vorher», freut sie sich. Illusionen macht sie sich aber keine: «Im Herbst werde ich mich wieder mit den Krankenkassen herumschlagen müssen, denn ich will alle Leistungen bei derselben Kasse haben.»

Quelle: Bildagentur Keystone