Es ist das alte Lied: Die Krankenversicherungen erhöhen ihre Prämien und beeilen sich, die explodierenden Gesundheitskosten dafür verantwortlich zu machen.

Das ist jedoch nur die halbe Wahrheit. Wie Recherchen des Beobachters ergeben, steigen neben den Gesundheitskosten die Verwaltungskosten der Kassen wacker mit. Im Jahr 2000 gaben die Krankenkassen noch gut 860 Millionen Franken für Verwaltungsaufgaben aus, 2007 schon etwas mehr als eine Milliarde. Daraus folgt: Im Jahr 2000 lagen die Verwaltungskosten im Schnitt bei 119 Franken pro versicherte Person – sieben Jahre später bei 142 Franken. Ein Anstieg von stolzen 19 Prozent. Und der ist nicht mit der Teuerung allein zu erklären: Diese betrug in dem Zeitraum lediglich rund acht Prozent.

Dass es günstiger ginge, beweisen mittelgrosse Versicherer wie Atupri. Die Krankenkasse kam 2007 auf Verwaltungskosten von lediglich 89 Franken pro versicherte Person. Senkten alle Kassen ihren Aufwand auf dieses Niveau, liessen sich pro versicherte Person 53 Franken einsparen – bei rund 7,5 Millionen Versicherungspflichtigen in der Schweiz macht das gegen 400 Millionen Franken im Jahr. Einsparen liesse sich schon einiges, wenn die Kassen ihren Verwaltungsaufwand lediglich der Teuerung anpassten. Sie würden so über 90 Millionen Franken einsparen.

Sehr grosse Unterschiede

Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) sieht trotzdem wenig Sparpotential. «Die Verwaltungskosten machen etwa fünf Prozent der Prämien aus», sagt BAG-Sprecherin Miranda Dokkum. «Sparmassnahmen in diesem Bereich würden sich nur wenig auf die Prämien auswirken.» Zudem deuteten höhere Verwaltungskosten nicht einfach auf einen aufgeblähten Verwaltungsapparat hin: «Einzelne Kassen haben schlechtere Risiken als andere und können daher auch einen höheren Aufwand haben.»

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CSS und Helsana, die grössten Krankenversicherer, schneiden gut ab – sie lagen 2007 mit 136 und 134 Franken Verwaltungskosten pro Versicherten leicht unter dem Durchschnitt (142 Franken). Auffällig teurer arbeiteten Visana und ÖKK Schweiz: Visana brachte es auf 167, die ÖKK gar auf 199 Franken. Am günstigsten arbeitete die Oberwalliser Krankenkasse Cervino mit 49 Franken pro versicherte Person.