Sie rufen an, wenn man beim Essen sitzt, geben sich als Mitarbeiter des «Vergleichszen­trums Schweiz» oder einer «Gesundheitsvorsorge» aus und wollen nur eins: einen Termin fixieren, um die Krankenversicherung zu «optimieren».

Faktisch handelt es sich um Werbeanrufe aus einem Callcenter, das die Termine dann an Versicherungsmakler verkauft, die wiederum von Provisionen der Krankenkassen leben. Die Kassen haben zwar schon 2011 vereinbart, dass sie selber für die Grundversicherung kein Telefonmarketing mehr betreiben. Doch das in­direkte Vorgehen über zwei Vermittler fällt nicht unter diese Abmachung des Dachverbands Santésuisse. Jüngst wurde die Vereinbarung sogar aufgehoben, weil sie laut der Wettbewerbskommission (Weko) den Wettbewerb einschränkt.

Die Methoden der Anrufer werden derweil immer trick­reicher. Viele missachten den Sterneintrag im Telefonverzeichnis oder sagen, sie riefen im Auftrag des Kantons oder der Santésuisse an. Das Telefondisplay zeigt eine lokale Nummer an, der Anrufer aber sitzt meist im Ausland. Möglich macht dies das Caller-ID-Spoofing: Das Callcenter ruft via ­Internet an, die Nummer, die am anderen Ende aufleuchten soll, ist frei wählbar. So lässt sich die Identität vertuschen, und der Angerufene ist eher bereit, den Hörer abzunehmen – eine Schweizer Vorwahl wirkt unverdächtiger.

Konsumentenschutz hat genug

Spoofing («Verschleiern») ist verboten, aber die Täter lassen sich nur schwer identifizieren. «Und wenn doch, kann man sie meist nicht so einfach zur Verantwortung ziehen, weil sie im Ausland sind», sagt Caroline Sauser vom Bundesamt für Kommunikation. Man müsse das Ausland um Hilfe bitten. Die Stiftung für Konsumentenschutz (SKS) nervt das: «Unerwünschte Telefonwerbung ist der Ärger Nummer eins, es braucht endlich mehr Engagement gegen diese illegalen ­Machenschaften», sagt SKS-Geschäftsleiterin Sara Stalder. Prisca Birrer-Heimo, SKS-Stiftungspräsidentin und SP-Na­tionalrätin, hat soeben ein Postulat eingereicht, das vom Bundesrat Massnahmen gegen Spoofing verlangt.

Und was tun die Krankenkassen? «Uns sind die Hände gebunden. Wir dürfen aufgrund der Einschätzung der Wettbewerbskommission nicht einmal eine Empfehlung he­rausgeben, dass Krankenkassen nicht mit solchen Callcentern und Maklern zusammenarbeiten sollen», sagt Paul Rhyn von Santésuisse. Der Verband sähe gern eine gesetzliche ­Lösung, die Telefonmarketing ­unter bestimmten Bedingungen ganz verbietet. «Das müsste aber auch für andere Branchen gelten», sagt Rhyn.